Italien treibt Europa in die nächste Finanzkrise

| 13. Juli 2016 | Kommentieren

Schlimmer als Griechenland

geldVon Torsten Müller

Rom/Brüssel/Berlin – Droht Europa die nächste Finanzkrise? Obwohl die Schuldenkrise der Griechen noch immer nicht überwunden ist und Athen immer noch regelmäßige Finanzspritzen benötigt, hat sich fast unbemerkt ein anderes EU-Mitglied zum Krisenstaat entwickelt. Finanzexperten gehen davon aus, dass mit Italien eine noch deutlich größere Volkswirtschaft in arge Schieflage geraten könnte.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Italien nun ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Italien stelle mit Abstand das größte Risiko für Europa dar, so die IWF-Experten. Italien stehe vor „monumentalen Herausforderungen“. Es zeichne sich ab, dass Italien auf finanzielle Hilfen der anderen EU-Mitglieder angewiesen sein wird. Darüber hinaus sei davon auszugehen, dass die italienische Wirtschaft erst im Jahr 2025 wieder ihr Niveau von vor der Finanzkrise erreicht haben dürfte.

Die IWF-Autoren dazu weiter: „Italien wird dann zwei verlorene Jahrzehnte hinter sich haben, in denen die Partner der Euro-Zone zwischen 20 und 25 Prozent gewachsen sein werden. Das Wachstum ist zu gering, um die Probleme im Finanzsektor zu lösen. Gleichzeitig werden wackelige Bilanzen eine Quelle steter Unsicherheit sein.“

18 Prozent der Kredite in Italien seien notleidend, die Summe der faulen Kredite beläuft sich aktuell auf rund 360 Milliarden Euro. Auch das Niveau der Staatsverschuldung sei mit 135 Prozent der Wirtschaftsleistung erschreckend hoch. Eine schnelle Rekapitalisierung des italienischen Bankensektors ist laut den IWF-Experten absolut geboten.

Und das hätte erneute Rettungsschirme zur Folge, die von den europäischen Steuerzahlern finanziert werden müssten. Die NPD hat nun eine Erklärung mit dem Titel „Auf Europa wartet der nächste finanzielle Super-GAU“ veröffentlicht, in der sie vor den zu erwartenden Folgen warnt: „Der italienische Bankensektor braucht in den nächsten Wochen 40 Milliarden Euro, wenn er nicht in eine existenzgefährdende Schieflage geraten soll. Wenn nun die ersten Eurokraten aus ihren Löchern gekrochen kommen und den Vorschlag des italienischen Regierungschefs Matteo Renzi befürworten, dass die europäischen Steuerzahler abermals die Spendierhosen anziehen und Milliardensummen für italienische Banken locker machen sollen, sieht man, dass die Entscheider Europas sowohl aus der Griechenland-Krise als auch aus dem Brexit gar nichts gelernt haben.“

Mit Blick auf den Brexit fügen die Nationaldemokraten hinzu: „Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos ist der Wunsch nach einer Volksabstimmung über einen Austritt aus der EU in keinem Land so ausgeprägt wie in Italien. Hoffentlich tun die Italiener es den Briten gleich und ziehen die Notbremse, bevor es zu spät ist und ihre Volkswirtschaft um Jahrzehnte zurückgeworfen wird und die europäischen und allen voran die deutschen Steuerzahler wieder gigantische Rettungsschirme aufspannen müssen.“

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Kategorie: Allgemein, Politik

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