IWF und OECD fordern längere Lebensarbeitszeit

| 9. Mai 2016 | Kommentieren
Sitz des IWF in Washington D.C.

Sitz des IWF in Washington D.C.

Empfehlung gegen Altersarmut

Von Torsten Müller

Washington, D.C./Paris – CSU-Chef Horst Seehofer hatte erst kürzlich angekündigt, das Thema Rente zu einem der zentralen Wahlkampfthemen zur Bundestagswahl 2017 zu machen, auch um vom emotionalen Flüchtlingsthema abzulenken. Doch ob er sich und den anderen etablierten Parteien damit einen Gefallen tun würde, mag bezweifelt werden. Schließlich haben die Bundesregierungen der letzten zwei Jahrzehnte trotz Kenntnis des demographischen Problems keine Lösung auf den Weg gebracht, die die Rente sichert und wirksam vor Altersarmut schützen kann.

Stattdessen steuern Millionen Deutsche auf Altersarmut zu, schon heute müssen in das Rentensystem rund 80 Milliarden Euro an Steuergeldern pro Jahr gepumpt werden, um die laufenden Renten finanzieren zu können. Seehofer räumte selbstkritisch ein, dass die sogenannte Riester-Rente ganz offensichtlich gescheitert ist. Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte, dass die Riester-Rente deutlich hinter den Erfolgen zurückgeblieben ist, die man sich davon versprochen hatte.

Die OECD und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben nun mit Lösungsvorschlägen aufgewartet, die die soziale Schieflage in unserem Land noch erhöhen würden. Das Renteneintrittsalter soll deutlich erhöht werden. So schreiben die Autoren einer neuen IWF-Studie: „Ein längeres Arbeitsleben hätte eine doppelte Dividende zur Folge: Mehr Beschäftigung bei gleichzeitig geringerer Altersarmut.“

Die OECD wies darauf hin, dass die Rentenausgaben ohne weitere Reformen bis zum Jahr 2060 um weitere 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen werden. Wenn man das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung koppeln würde, könnte man die Tragfähigkeit des deutschen Rentensystems sicherstellen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat schon durchblicken lassen, dass er sich mit diesen Vorschlägen durchaus anfreunden kann.

Die bisherigen Vorschläge, die Rente in Deutschland auf eine tragfähige und damit nachhaltige Grundlage zu stellen, beziehen sich allesamt auf höhere Rentenbeiträge, eine längere Lebensarbeitszeit, eine Kürzung der Renten oder eine Kombination aus alle diesen Optionen. Doch letztlich sind sie alle nur Symptompfuscherei, die Ursache, der demographische Wandel, wird bei den Maßnahmen überhaupt nicht in den Blick genommen.

Dabei wäre es sowohl ehrlich als auch klug, jetzt mehr Geld in Familien zu investieren, um die Zahl von Kindern signifikant zu erhöhen – nur so kann das Rentensystem langfristig auf eine solide Grundlage zu gestellt werden.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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