Jan Böhmermann setzt gegen Merkel und Erdogan nach

| 5. Mai 2016 | Kommentieren
Jan Böhmermann in Rostock (2014), Bild: Jonas Rogowski, CC BY-SA 3.0

Jan Böhmermann in Rostock (2014), Bild: Jonas Rogowski, CC BY-SA 3.0

Merkel habe ihn filetiert

Von Torsten Müller

Berlin – Über Wochen hinweg war es ruhig um den ZDF-Satiriker Jan Böhmermann geworden. Er soll den Staatspräsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, mit einem Schmähgedicht beleidigt haben. Erdogan beantragte daraufhin ein Strafverfahren gegen Böhmermann, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) willigte nach mehrtägiger Prüfung ein. Der Hintergrund ihrer Einwilligung war vor allem die Furcht, der türkische Präsident könnte das EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen platzen lassen, auf das Merkel seit Monaten setzt.

Böhmermann tauchte zwischenzeitlich ab und stand sogar unter Polizeischutz, weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass Türken sich durch das Gedicht derart provoziert fühlen könnten, um eine Gewalttat gegen ihn zu verüben.

Böhmermann hat nun angekündigt, aus Selbstschutz vorerst keine eigenen Witze mehr zu machen. Zuschauer sollen künftig die Witze einreichen, die er vorträgt. Für jeden Witz, der es in die Sendung schafft, solle es in Anspielung auf den Paragraphen 103 des Strafgesetzbuches 103 Euro geben. Böhmermann dazu wörtlich: „Ihr schreibt die Witze, ich habe keinen Bock auf den Stress!“ Es wird deutlich, dass auch diese Aktion Satire-Charakter haben soll, will er damit doch ganz offensichtlich die Grenzen der Pressefreiheit aufzeigen: „Klar ist: Die Einsender tragen die Verantwortung. Wir haben euren Namen, eure Adresse, das leiten wir dann weiter.“

Mit Blick auf die letzten Wochen fügt Böhmermann hinzu: „Der letzte Monat war als Künstler fantastisch, ich saß zu Hause und hab mich kaputt gelacht.“ Auf die Frage, ob er sich mit dem türkischen Staatspräsidenten auf eine Tasse Tee treffen würde, legte er in kritischer Manier nach: „Wenn er alle inhaftierten Journalisten und Oppositionellen freilässt, aufhört, die Kurdenfrage militärisch lösen zu wollen, und er offen und öffentlich den Völkermord der Türken an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges anerkennt, gerne. Aber bitte bei ihm zu Hause – er soll ja eine fette Bude haben, hat mir ein türkischer Freund verraten.“ Mit ironischem Unterton setzt er nach: „Herr Erdogan ist ein liebenswerter, lupenreiner Demokrat.“

Nicht mehr ironisch, sondern recht ernst sagt er mit Blick auf die Vorgehensweise von Kanzlerin Merkel: „Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai Wei Wei aus mir gemacht.“

Diese Kritik wird sich Merkel noch lange anhören müssen, hat sie aus pragmatischen Gründen doch deutlich gemacht, dass deutsche Grundrechte entgegen anderslautender Aussagen für sie sehr wohl verhandelbar sind.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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