Jordaniens zwielichtige Rolle im Syrienkonflikt

| 26. April 2016 | Kommentieren
Rania von Jordanien, diesmal nicht auf Lesbos, sondern bei Michelle Obama im Weißen Haus (2009)

Rania von Jordanien, diesmal nicht auf Lesbos, sondern bei Michelle Obama im Weißen Haus (2009)

Die Königin und ihre Flüchtlinge

Von Ruedi Strese

Jordaniens medienkompatible Königin Rania hat am Montag die griechische Insel Lesbos besucht, um in dortigen Lagern Flüchtlinge zu treffen. Dieses humanitäre Engagement findet sicher das Wohlwollen der westlichen Mainstreampresse, doch Jordaniens eigene Rolle im nunmehr 5 Jahre währenden Syrienkonflikt ist durchaus fragwürdig.

Rania ist bei weitem nicht die erste Prominente und/oder Politikerin, welche die gegenwärtigen Wanderungsbewegungen nutzt, um ihr Image aufzupolieren. Letzte Woche hatte Papst Franziskus Lesbos besucht, der ehemalige Minister Norbert Blüm hatte vor nicht langer Zeit in einem Zelt von Idomeni übernachtet. Schweiger, Merkel, Cruise, sie alle nutzen die Krise zur Profilierung als Schauspieler im Gutmenschenshowbiz. Nun also die jordanische Königin.

Sie kam 1999 auf den Thron, seither ist sie immer wieder durch ihr Engagement für humanitäre Zwecke in die Medien gekommen. Bildung, Gesundheitswesen und Bekämpfung von Kinderarmut hat sie sich unter anderem auf die Fahne geschrieben; die UNICEF hat sie zur Auszeichnung für ihr Engagement für Kinder im Jahr 2000 zum Teil ihrer „Global Leadership Initiative“ gemacht. Wobei hier keineswegs gesagt sein soll, daß dies alles unbedingt schlecht sei, aber das Bild ist zumindest einseitig.

Rania war vom 1933 auf eine Initiative Albert Einsteins hin gegründeten International Rescue Committee (IRC) nach Lesbos eingeladen worden. Sie wurde dort beklatscht und fotografiert und fand bedeutungsvolle Worte. Ihr ging es nach eigener Darstellung darum, auf die Not von Menschen aufmerksam zu machen, die „unaussprechlichen Horror gesehen und undenkbare Tragödien erfahren“ hätten. „In dieser Krise geht es um menschliche Wesen, nicht um Grenzen und Schranken. Es geht um menschliche Würde, nicht um Geschäfte.“

Jordanien hat mehrere 100.000 beim „United Nations High Commissioner for Refugees“ (UNHCR) registrierte Flüchtlinge aufgenommen, vorwiegend Syrer und Iraker, womit sich Jordanien immerhin vorteilhaft von anderen arabischen Staaten wie Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten abhebt. Bemängelt wird von Menschenrechtsgruppen immer wieder die Armut, in denen diese Flüchtlinge, meist außerhalb der Lager, leben.

Dabei wird allerdings noch ein überaus wichtiger Aspekt außer Acht gelassen, nämlich Jordaniens Rolle im Syrienkonflikt selbst. Als Teil der US-geführten Koalition „gegen den Islamischen Staat“ hat es nicht nur Anteil an deren zweifelhaften Erfolgen, sondern ist aktiv dabei, sich unter dem simplen Vorwand der Bekämpfung des IS am Krieg gegen die syrische Regierung zu beteiligen.

Seit Beginn des Syrienkrieges hat Jordanien Al-Kaida-nahe „Rebellen“ gegen Syrien unterstützt und dabei eng mit der Central Intelligence Agency (CIA) und dem Joint Special Operations Command (JSOC) des Pentagon zusammengearbeitet. Beide haben ihre operative Basis im jordanischen Luftwaffenstützpunkt Ramtha. Mehrere Angriffe terroristischer Gruppen gegen Syrien wurden von jordanischem Territorium aus geführt.

Zudem werden die Flüchtlingslager in Jordanien von islamistischen Gruppen für Zwangsrekrutierungen genutzt. Frauen sollen regelmäßig zur sexuellen Ausbeutung aus den Lagern verschleppt werden, manchen Berichten zufolge sind Kinder und Frauen in jordanischen Lagern faktisch rechtlos. Da empfiehlt es sich natürlich, auch mal Lesbos einen Besuch abzustatten und dort, wo sich nicht gerade die eigene Tür befindet, humanitäre Phrasen zu dreschen.

Verweise:
http://www.reuters.com/article/us-europe-migrants-rania-idUSKCN0XM1S8
http://www.dailymail.co.uk/femail/article-3557617/Queen-Rania-makes-impassioned-plea-safer-passage-Syrian-migrants-meets-female-refugees-Greek-island-Lesbos.html
http://www.rescue.org/
http://www.unhcr.org/pages/49e486566.html
http://nsnbc.me/2016/04/25/jordans-queen-rania-visits-greek-refugee-camp-amidst-abuse-of-refugees-in-jordan/
http://nsnbc.me/2016/04/19/jordans-failing-security-and-xenophobia-muffles-syrian-abuse-and-neglect/

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Kategorie: Allgemein, Außenpolitik, Politik

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