Kommt das Fahr-Verbot in Deutschlands Städten?

| 19. November 2017 | 1 Kommentar

Zweifel an Messungen in Stuttgart

Berlin/Stuttgart – Die Debatte um die Zukunft der Verbrennungsmotoren ist eine, die auch die Haltbarkeit einer möglichen Jamaika-Koalition entscheidend beeinflussen könnte. Die Grünen machen sich für einen festen Termin für das Ende der Nutzung von Verbrennungsmotoren stark. Wenn es nach ihnen ginge, wäre der Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2030 Geschichte.

Ob dies realistisch und sozial verträglich durchsetzbar ist, steht allerdings in den Sternen. Die Debatte vor allem um die Dieselmotoren hat seit dem Bekanntwerden des massiven Betrugs mit manipulierten Software-Einrichtungen zur Reduzierung von Abgasen an Dynamik gewonnen. Nicht nur Grüne, sondern auch Politiker anderer Parteien erwarten sowohl von der Industrie als auch von der Politik eine Kehrtwende.

Doch ähnlich wie die Debatte um den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel ist auch diese Diskussion stark ideologisch aufgeladen. Die unterschiedlichen Meinungen stehen sich oft unversöhnlich gegenüber. Auch bei der Debatte um die Belastung unserer Städte mit Stickoxiden werden sich konträr gegenüber stehende Ansichten vertreten.

So behaupten Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), dass die bislang oft verwendeten Methoden, um die Belastung der Städte aufzuzeigen, große Zweifel aufwerfen. So sagte KIT-Messingenieur Jürgen Pfeil: „Unsere Messungen zeigen, dass sich die Stickoxidwerte schon 20 bis 25 Meter von den Straßen weg halbieren.“

Die Forscher hatten an mehreren Standorten der als besonders belastet geltenden Stadt Stuttgart Messungen vorgenommen. An den meisten Orten lag die Belastung deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Mit jedem Schritt von der Straße weg verringere sich die Belastung mit Stickoxiden.

Der Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am KIT, Thomas Koch, sagte dazu: „Bereits auf Höhe des dritten Stockwerkes unmittelbar an der Straße sind die NO2-Immissionswerte um etwa 30 Prozent reduziert. Auf Dachhöhe werden Werte um 20 Mikrogramm bestimmt. In Gebäuden selbst sind die NO2-Werte typischerweise halbiert.“

Mit Blick auf die Diskussion zu Fahr-Verboten ergänzt Koch: „Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung muss man feststellen, dass die prinzipielle Diskussion über den Diesel absolut aus dem Ruder geraten ist und Fahrverbote völlig überzogen sind.“

Das Verkehrsministerium Baden-Württembergs vertritt hierzu eine komplett andere Auffassung. So erklärte der Abteilungsleiter „Nachhaltige Mobilität“ im Ministerium, Christoph Erdmenger: „Unser Gesamtbild zur Luftqualität entsteht nicht nur durch Auswertung der Ergebnisse an den vier Messstellen in der Stadt. Anhand der Messstellen, die an den am höchsten belasteten Straßen stehen, sehen wir, dass diese Berechnungen stimmen. Insgesamt liegen übrigens nicht nur an Punkten wie dem Neckartor die Stickoxid-Werte deutlich über den Grenzwerten, sondern entlang von 70 Kilometern Straße.“

Die Debatte ist also noch längst nicht beendet und wird wohl weiterhin – von beiden Seiten – genauso ideologisch aufgeladen wie die Diskussion um das Klima. Den Menschen, die die unterschiedlichen „Experten-Meinungen“ über sich ergehen lassen müssen, bringt das allerdings nur wenig Klarheit.

Von Torsten Müller

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Kategorie: Allgemein, Politik

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