Konservatives Ökologieverständnis entdeckt die Heimat

| 7. September 2016 | Kommentieren

„Umwelt & Aktiv“ – Naturschutz aus der Heimatperspektive

ua-werbebanner-336x280-2Rüdiger Dietrich

Traunstein – Hat sich die in Veränderung begriffene politische Landschaft künftig auch noch mit einer rechtskonservativen Naturschutzpublizistik auseinanderzusetzen? Der 2007 gegründete Midgard e.V., dessen Sprachrohr die vierteljährlich erscheinende „Umwelt & Aktiv“ darstellt, ist ein sich für Naturschutz, Tierschutz und Heimatschutz engagierender unabhängiger Verein, der als Reaktion auf die zunehmende Verdrängung konservativen Gedankengutes aus der Umwelt- und Tierschutzbewegung gegründet wurde und sich der Förderung einer ökologisch ausgeglichenen Lebensweise auf Grundlage des Schutzes der kulturellen Identität verschrieben hat. Der Herausgeber Christoph Hofer beansprucht für das Projekt „Umwelt & Aktiv“ einen sehr ganzheitlichen Ansatz, der die Bereiche Umwelt-, Tier- und Heimatschutz nicht trennt, sondern einer Gesamtschau mit stark kulturell konnotierter Definition von Umweltschutz unterzieht. Dieses Bemühen ist auch dem jüngsten auf der Facebook-Seite von „Umwelt & Aktiv“ online gesetzten Artikel zu entnehmen. Der Umweltschutz wird darin als unvollständig gebrandmarkt, wenn ihm die Heimatkomponente fehlt.

„Umwelt & Aktiv“ stellt allgemein und in besagtem Artikel im Speziellen die These auf, dass die Umwelt auch dann Schaden nehme, wenn ihre originäre Heimatqualität abnehme oder verloren gehe. Im Bezugsrahmen des Empfindens von Heimat ließe sich die Schutzwürdigkeit vom ethisch abstrakten Imperativ auf das konkrete praktische Wollen herunterbrechen und löse sich erst der vermeintliche Gegensatz zwischen Natur- und Kulturlandschaft auf. Mit Bezug auf das Wirken der Heimatverbände zu Beginn des 20. Jahrhunderts zielen die Ökokonservativen darauf ab – so wörtlich -, einer totalitären Globalisierung mit ihren zahlreichen naturschutzrelevanten Kollateralschäden auch ökologisch mit Regionalisierung zu antworten. Umweltschutz solle demnach zwar nicht an Heimatgrenzen enden, allerdings innerhalb dieser beginnen und konkret verantwortet werden. Dahinter steht die Auffassung, dass mittels der Heimatverknüpfung aufgrund deren emotionaler Verwurzelung die Akzeptanz von Naturschutzzielen erhöht würde.

Wenngleich es für Viele womöglich ungewohnt sein mag, mit „Ökos“ rechts der politischen Mitte konfrontiert zu sein, kann man deren Homepage bzw. Facebook-Auftritt nicht in Abrede stellen, regelmäßig zu berichten und vor allem mit konkreten praxisorientierten Vorschlägen zu umweltbewusstem Verhalten, insbesondere betreffs der Gartenarbeit aufzuwarten. Das Projekt „Umwelt & Aktiv“ dürfte vermutlich eines der bedeutungsvollsten Beispiele im deutschsprachigen Raum dafür sein, dass die politische Linke keinen Alleinvertretungsanspruch für die Umweltpolitik beanspruchen kann. Und immerhin kann die vierteljährliche ca. 40-seitige Printausgabe auf eine Auflage von mehreren Tausend Exemplaren verweisen. Wer weiß, ob daraus nicht eine ernstzunehmende Herausforderung für Bündnis90/Die Grünen & Co. erwächst.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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