Molenbeek als Beispiel für Islamisierung

| 24. März 2016 | Kommentieren

islamismusErst Paris, jetzt Brüssel

Von Torsten Müller

Berlin/Brüssel – Immer wieder Molenbeek. Den Brüsseler Stadtteil kannte vor dem letzten November außerhalb Belgiens kaum jemand. Doch seitdem ist er in aller Munde, weil er Brutstätte einer der gefährlichsten islamischen Parallelgesellschaften Europas ist. Die Drahtzieher der islamistischen Terroranschläge von Paris stammen aus dem Stadtteil der belgischen Hauptstadt. Nach der Festnahme des Paris-Attentäters Salah Abdelsalam ist es in Brüssel nun zu weiteren Terroranschlägen gekommen. Auch diese Spuren führen wiederum nach Molenbeek.

Der Sicherheitsexperte Florian Peil will allerdings nicht stehen lassen, dass die Terroranschläge in Brüssel ausschließlich eine Reaktion auf die Festnahme von Abdeslam sein sollen, wie das Medien und zahlreiche Politiker sei gestern übereinstimmend verkünden und mutmaßen. Peil dazu wörtlich: „Das ist sicherlich der Eindruck, den der IS mit den Anschlägen erwecken will. Tatsächlich braucht die Vorbereitung eines solchen Anschlags Zeit, in diesem Fall Monate. So eine Attacke organisiert niemand in ein paar Tagen. Zum Zeitpunkt der Verhaftung Abdelsalams dürften die Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen gewesen sein.“

In den Anschlägen von Brüssel sieht Peil einen genialen Propaganda-Coup der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Peil dazu weiter: „Der IS hat seinen Anhängern und den Sympathisanten bewiesen, dass er auf Knopfdruck im Herzen Europas komplexe Terroranschläge verüben kann. Und zwar mit beinahe chirurgischer Präzision: Genau dort, wo er selbst angegriffen wurde. Abdelsalam wurde in Brüssel verhaftet und vier Tage später werden Flughafen und Metro attackiert – das ist ein Propaganda-Coup für den IS. Darüber hinaus belegt es eine zunehmende Professionalisierung des IS und macht deutlich, über welch gefestigte Strukturen er bereits in Europa verfügt.“

Peil erklärt auch, wie wichtig der Stadtteil Molenbeek als Rückzugsraum für die Islamisten ist: „Die meistgesuchte Person Europas kann man nicht vier Monate lang unbemerkt verstecken. Es gibt immer Mitwisser. Die Tatsache, dass so eine Information nicht nach außen gesickert ist, zeigt nur, wie eng die Bindung innerhalb dieser Gemeinschaft in Teilen von Molenbeek sein muss.“ Er weist auch auf die Defizite der Sicherheitspolitik hin: „Die Sicherheitsbehörden erhalten keinen Zugriff. Sitzt ein Großteil des Netzwerks in Molenbeek, ist eine Kommunikation per Mail oder Telefon nicht mehr notwendig, da alles direkt und persönlich weitergegeben werden kann. Eine elektronische Überwachung fördert daher keine relevanten Informationen zu Tage. Bei der Überwachung dieser Milieus gibt es ganz erhebliche Lücken.“

Das noch viel größere Problem ist, dass Molenbeek kein Einzelfall ist, sondern beispielhaft für viele Stadtteile europäischer und deutscher Großstädte, in denen sich in den letzten Jahrzehnten islamische Parallelgesellschaften entwickelt haben, die de facto einen Staat im Staate bilden.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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