Nun auch Kritik aus der Schweiz: Wer stoppt Mario Draghi?

| 19. April 2016 | Kommentieren
Mario Draghi, Foto: Remy Steinegger

Mario Draghi, Foto: Remy Steinegger

Mario Draghi

Von Hans Driesch

Frankfurt a. M. – Die kommende Sitzung der Europäischen Zentralbank am 21. April wirft ihre Schatten voraus. Selten einmal wurde eine Sitzung des EZB-Rats wohl mit solcher Spannung erwartet, nachdem Draghi auf der letzten Sitzung mit seinen Spekulationen über „Helikoptergeld“ und der Ankündigung seiner Initiative zur Abschaffung des 500-Euro-Scheins für Aufsehen gesorgt hatte. Auch für die kommende Sitzung wird erwartet, dass Draghi seinen Kurs des extrem billigen Geldes verteidigen wird. Seine Geldpolitik findet allerdings immer mehr Kritiker. So hat nun auch Michael Rasch, der Leiter des Ressorts „Börsen & Märkte“ der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ), in gleich zwei Artikeln den EZB-Chef deutlich kritisiert. Rasch gilt schon lange als einer der profiliertesten Kritiker einer von vielen Zentralbanken verfolgten Politik des billigen Geldes und hatte in seinem im Jahr 2012 gemeinsam mit dem Wirtschaftsjournalisten Michael Ferber veröffentlichten Buch „Die heimliche Enteignung“ die Liquiditätsfluten als „finanzielle Repression“ insbesondere gegen die Mittelschicht bezeichnet, der es unmöglich gemacht werde, privat für das Alter vorzusorgen.

In seinem nun am 19. April 2016 veröffentlichten Artikel „Deutsch und deutlich“ hat Rasch nun die zunehmend besorgteren deutschen Reaktionen auf Draghis Geldpolitik zusammengefasst. Rasch weist in diesem Artikel insbesondere auf die beispiellose Abrechnung des Vorstandsvorsitzenden des Versicherungskonzerns Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, mit der Geldpolitik der EZB auf der letzten Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am 7. April 2016 hin. Bomhard hatte damals geäußert, dass er der Geldpolitik der EZB mit „Verständnislosigkeit“ und „Entsetzen“ gegenüberstehe. Solche Äußerungen eines Vorstandsvorsitzenden eines DAX-Konzerns gegenüber der EZB hat es wohl noch nie gegeben. Rasch spekuliert in seinem Artikel darüber, ob man angesichts solcher massiver Stellungnahmen am Frankfurter EZB-Sitz nicht doch „langsam dünnhäutig“ werde. In einem Meinungsbeitrag vom 18. April 2016, der unter dem Titel „Draghis Beitrag zur verbalen Eskalation“ erschien, stellt Rasch nun aus seiner Sicht klar, dass Draghi durch sein Verhalten das Trommelfeuer kritischer Stimmen selbst geradezu heraufbeschwöre.

So liege in der Schweiz die Inflation noch deutlich unter Null – also unter den Werten des Euro-Raumes – dennoch gebe es in der Schweiz „keine Aufregung, geschweige denn wird der Notstand ausgerufen“. Draghis Einschätzung, nach der die EZB mit ihrer ultralockeren Geldpolitik eine „desaströse Deflation“ verhindert habe, bezeichnet Rasch als „wenig glaubwürdig und kaum beweisbar“. Inwiefern solche kritischen Stimmen den EZB-Präsidenten dazu bewegen, sich künftig etwas vorsichtiger zu äußern, wird wohl schon die Sitzung des EZB-Rats am kommenden Donnerstag zeigen.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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