Nur wenig konservative Gegenwehr gegen „Ehe für alle“

| 1. Juli 2017 | 1 Kommentar

Homo-Ehe mehrheitlich beschlossen

Der Deutsche Reichstag, Foto: Wikipedia/Wolfgang Pehlemann, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der Deutsche Reichstag, Foto: Wikipedia/Wolfgang Pehlemann, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Berlin – Der Bundestag hat die sogenannte „Ehe für alle“ mit großer Mehrheit beschlossen. Der Gesetzentwurf wurde von SPD, Grünen und Linken eingebracht, doch auch beträchtliche Teile der Union votierten für die Homo-Ehe. Früher hätte man erwarten können, dass zumindest in der Union massiver Widerstand gegen ein solches Gesetz geleistet werden würde – doch davon war nun kaum etwas zu spüren.

Stattdessen versteckten sich CDU-Vertreter hinter Phrasen. So begründete der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak seine Zustimmung zu dem Gesetz ausgerechnet mit seiner konservativen Überzeugung: „Es geht um Treue, es geht um Beständigkeit, es geht um Verlässlichkeit. All dieses sind zutiefst konservative Werte, die Anerkennung und Respekt verdienen. Und ich kann nicht erkennen, wieso das Geschlecht hierbei einen Unterschied machen sollte. Und deswegen – gerade weil ich Christdemokrat bin – bin ich für die Öffnung der Ehe, weil es um bürgerliche, konservative Werte geht.“

Bemerkenswerterweise waren diese Worte nicht allzu weit von den des Fraktionsvorsitzenden der Linken, Dietmar Bartsch, entfernt: „Es ist eine Abstimmung für die Würde, für Gleichheit und für die Liebe. Es geht nicht um die Frage, ob Merkel oder Schulz gewinnen. Wir schaffen ein Stück weit Normalität in unserem Land.“ Der SPD-Abgeordnete Karl-Heinz Brunner trat in Regenbogenkrawatte auf und erklärte: „Das ist ein Erfolg, eine Freude für die Lesben und Schwulen in diesem Land, aber auch für unsere Demokratie für unser tolerantes, buntes Deutschland und zuletzt für dieses Hohe Haus. What a wonderful day!“

Der schwule Grünen-Politiker Volker Beck, der nach der Bundestagswahl dem Parlament nicht mehr angehören wird, betrachtet die Einführung der Homo-Ehe wohl als sein Lebenswerk: „Das ist wirklich ein toller Sieg, weil es ein Stück weit gesellschaftlichen Frieden bedeutet. Heute ist eine Bastion gefallen. (…) Alles andere als Gleichberechtigung ist Diskriminierung.“

Obwohl sie die Entscheidung für die Homo-Ehe erst zu Beginn der Woche zu einer Gewissensentscheidung erklärte und damit den Weg für das Ja zur „Ehe für alle“ frei machte, stimmte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen den Gesetzentwurf. In ihrer Begründung versteckte sie sich aber lediglich hinter Grundgesetzinterpretationen: „Was die Frage der Ehe anbelangt, so ist es meine Grundüberzeugung, dass der grundgesetzliche Schutz im Artikel 6 die Ehe von Mann und Frau beinhaltet.“

Ein weitaus wichtigeres Argument führte einzig CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt an, die die Ehe als „Keimzelle der Gesellschaft“ bezeichnete, weil aus ihr heraus Kinder geboren und damit die „Zukunft unserer Gesellschaft gesichert wird.“

Weitere konservative Gegenwehr wurde von der Fraktionsführung der Union offenbar im Keim erstickt.

Torsten Müller

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Kategorie: Allgemein, Politik

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