Obdachlosigkeit in Deutschland auf Rekordniveau

| 7. Dezember 2016 | Kommentieren

335.000 Wohnungslose

Von Torsten Müller

Berlin – Während die Bundeskanzlerin in ihrer Rede auf dem Bundesparteitag minutenlang erschöpfend über Asylbewerber und Flüchtlinge sprach, vergaß sie gänzlich, darauf hinzuweisen, dass es auch unzählige Deutsche gibt, die in Not leben. In der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage bezifferte die Bundesregierung die Zahl der Wohnungslosen für das Jahr 2014 auf 335.000 Menschen. Besonders alarmierend ist, dass mittlerweile auch 29.000 Kinder auf der Straße leben müssen. Neuere Zahlen stehen noch nicht zur Verfügung. Im Jahr 2010 lag die Zahl der Obdachlosen noch bei 248.000.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) geht davon aus, dass die Zahl mittlerweile nochmals deutlich angestiegen ist. Deren Geschäftsführer Thomas Specht sagte dazu wörtlich: „Die Krise ist historisch und hat den Höhepunkt noch nicht erreicht.“ In den nächsten Jahren sei mit einer massiven Verschärfung des Problems zu rechnen. Prognosen der BAG W zufolge dürfte sich die Zahl der Obdachlosen im Jahr 2018 auf etwa 536.000 Menschen belaufen.

Das Problem Obdachlosigkeit bestehe mittlerweile laut Specht bundesweit, am gravierendsten sei es jedoch in den Großstädten. In vielen Großstädten gibt es selbst für Normalverdiener kaum noch erschwingliche Mietwohnungen. Doch die Bundesregierung will dafür nicht die Verantwortung tragen.

So heißt es seitens des von Andrea Nahles (SPD) geführten Bundessozialministeriums: „Wohnungslosigkeit liegt vielfach nicht in fehlendem Wohnraum begründet, sondern hat in der Regel eine Reihe anderer sozialer und zum Teil auch psycho-sozialer Ursachen.“ Ursächliche Probleme seien oft familiäre Problemlagen, Sucht oder Krankheiten. Sehr bemerkenswert ist, dass seitens der Bundesregierung keine Statistik zur Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland geplant ist.

In großem Maße ist die wachsende Zahl der Obdachlosen jedoch tatsächlich politisch verursacht. Seit Jahren wird in sämtlichen Bundesländern beim sozialen Wohnungsbau gespart. Die durch die Asylkrise massiv erhöhte Konkurrenz um bezahlbaren Wohnungsbau hat den Druck auf die Mieten zudem noch weiter erhöht.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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