Olympische Spiele: Sport und Politik

| 29. Juli 2016 | Kommentieren

Ein Kommentar von Marek Glinka

Marek Glinka

Marek Glinka

Internationale Sportveranstaltungen sind immer auch politisch: Die Mannschaften kommen in das Stadion, die Nationalhymnen werden gespielt – die Mannschaften repräsentieren ihre Nation. Im Falle eines sportlichen Sieges steigt die Achtung. In anderen Worten: Sport ist ein Instrument der sogenannten „Soft Power“, wie Joseph Nye einst sagte. Darüber hinaus kann eine große internationale Sportveranstaltung das Image des Gastgeberlandes entscheidend verbessern. Ein Beispiel hierfür sind die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi.

Genau deswegen betrachten „Freund“ und „Feind“ die Athleten mit Argusaugen – ebenso wie Politiker. Es ist daher kein Zufall, daß der sogenannte „Doping-Skandal in Rußland“ gerade jetzt in den Medien eine große Rolle spielt. Auch Athleten aus anderen Staaten nehmen Mittel zur Leistungsverbesserung, ein “Skandal” wie der jetzige blieb allerdings aus. Der Westen will damit Rußland schädigen, nachdem dies mit den Sanktionen bislang nicht gelungen ist. Es geht um politischen und wirtschaftlichen Druck, den man gegen Moskau aufbauen will.

Man darf dabei nicht vergessen, daß der erste Artikel zum „Doping-Skandal“ in der New York Times im Mai dieses Jahres gedruckt wurde. Solche Medien drucken „bestellte Artikel“, es ist daher nicht schwer, die Auftraggeber zu identifizieren.

Rußland hat das Recht auf eine souveräne und eigenständige Position in vielen politischen Gebieten. Es ist aber auch notwendig, mit den Mitteln der Diplomatie stets einen guten Konsens mit internationalen Organisationen zu erreichen. Es gelingt natürlich nicht immer (beispielsweise wenn es um die UN-Unterstützung für die LGBT-Lobby in Rußland geht, die den russischen Wertevorstellungen und den Familienwerten widerspricht). Oftmals haben in dieser Diplomatie zudem einflußreiche Einzelpersonen das letzte Wort.

Dem Doping-Skandal wurde durch den Chef des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, ein Ende gesetzt. Das russische olympische Team wird nicht von den kommenden Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen. Bach spricht davon, daß man die „sauberen“ Athleten nicht ausschließen dürfe, sie verdienten eine Chance.

Obwohl die Zahl russischer Athleten durch diesen Prozeß etwas kleiner wird, gibt es noch immer ausreichend Raum für eine politische Botschaft: die Hymne, die Flagge und die Möglichkeit, Medaillen in verschiedenen Disziplinen zu gewinnen.

Einige Beobachter glauben, in Bachs Entscheidung eine „pro-russische“ Haltung erkennen zu können. Immerhin handelte er gegen die US-amerikanische Empfehlungen. Tatsächlich schützt Bach aber die Traditionen und Mechanismen des internationalen Sports.

Wie in der Politik mangelt es auch im Sport nicht an Skandalen. Gerade vor, während und nach Olympiaden werden diese Skandale gerne thematisiert. Allerdings müssen Verstöße von Athleten jederzeit fair und objektiv betrachtet werden. Denn sonst werden politisch motivierte Präzedenzfälle geschaffen, und bestimmte Lobbygruppen werden diese Präzedenzfälle gegen andere Athleten und Länder ausnutzen. Und das ist garantiert nicht im Interesse des Sports.

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Kategorie: Allgemein, Kommentar

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