Parteiübergreifende Kritik an Einfluss von DITIB

| 3. August 2016 | Kommentieren

Erdogans verlängerter Arm

ditib_logoVon Torsten Müller

Berlin/Ankara – Seit langem steht die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) in der Kritik, dass sie ihren religiösen Einfluss in Deutschland geltend mache, um als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu wirken. Nun ist erneut die Debatte um den Einfluss der Organisation entbrannt. DITIB verfügt in Deutschland über 150.000 Mitglieder und rund 680.000 Anhänger.

Die Organisation versorgt Moscheen in Deutschland mit etwa 900 Imamen. Auch in deutschen Schulen wird der Einfluss der DITIB immer größer. So wirkt die türkische Organisation in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen am staatlichen Religionsunterricht mit.

Dazu sagte nun der Islamwissenschaftler Dr. Abdel-Hakim Ourghi: „Der Religionsunterricht dreht sich vor allem darum, wie toll der Islam ist. Ditib ist nicht an einem interreligiösen Dialog interessiert, sondern daran, die Türken in Deutschland unter Kontrolle zu halten und ihre Integration in die weltliche Welt zu hindern.“

Auch Grünen-Chef Cem Özdemir, der in den letzten Wochen massiver Kritik aus der Türkei ausgesetzt war, ist die DITIB ein Dorn im Auge: „Viele Moscheen machen eine tolle Arbeit, aber dem Ditib-Dachverband geht es in erster Linie um Politik und nicht um Religion. Religionsunterricht durch die Ditib bedeutet momentan, dass wir Erdogan seine Ideologie direkt in unseren Schulen verbreiten lassen. Dagegen kämpfe ich. Ein guter islamischer Religionsunterricht an unseren Schulen wäre äußerst wichtig, aber bitte mit den Werten unseres Grundgesetzes und nicht als Erdogan-Staatsbürgerkunde unter dem Deckmantel der Religion.“

Der außenpolitische Sprecher der CSU, Florian Hahn, bewertet den Einfluss der Türkei auf den Schulunterricht in Deutschland ebenfalls kritisch: „Ditib steht unter dem Einfluss Ankaras und ist nicht dazu geeignet, an deutschen Lehrplänen mitzuarbeiten. Das ist eine massive indirekte Beeinflussung durch den türkischen Präsidenten. In unseren Schulen muss ein aufgeklärter, weltoffener und selbstkritischer Islam gelehrt werden. Es gilt: Grundgesetz vor dem Koran.“

Die niedersächsische CDU-Landtagsfraktion ist mittlerweile aus den Verhandlungen über einen Staatsvertrag mit islamischen Verbänden ausgestiegen. Dazu sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Björn Thümler: „Ditib hat aus unserer Sicht eine zu starke Anbindung an die AKP und das türkische Religionsministerium.“

Bemerkenswert ist, dass die Kritik erst so parteiübergreifend wurde, als Erdogan in der Türkei begann, mit massiven Repressionen gegen die innertürkische Opposition und kurdische Gruppen vorzugehen. Dass der Islam schon seit vielen Jahren massiv an Einfluss in Deutschland gewinnt, hat sowohl in der CDU als auch bei den Grünen oder den anderen im Bundestag vertretenen Parteien niemanden gestört.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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