Platin: Seit dem VW-Diesel-Gate wieder aufwärts

| 18. April 2016 | Kommentieren
VW-Stammwerk in Wolfsburg, Foto: Andreas Praefcke / CC BY 3.0

VW-Stammwerk in Wolfsburg, Foto: Andreas Praefcke / CC BY 3.0

Platin

Von Hans Driesch

Pretoria – Manchmal offenbaren sich in der Wirtschaft gewisse Zusammenhänge erst auf den zweiten Blick oder im Fall von außergewöhnlichen Marktbewegungen. Dies war beispielsweise im September 2015 der Fall, als die VW-Affäre um manipulierte Abgaswerte publik wurde und dies dann gleichzeitig auf den Rohstoffmärkten zu Verwerfungen führte. Mit der VW-Aktie stürzte damals auch der Platinpreis mit Tagesabschlägen von bis zu 50 US-Dollar in die Tiefe, wobei sich die Schwäche bei den Platinnotierungen bis in den Januar 2016 hinein fortsetzte und am 21. Januar 2016 ein Verlaufstief von 806 US-Dollar je Feinunze markiert wurde. Investoren fürchteten damals, dass noch mehr Autohersteller in den Abgasskandal hineingezogen und der Markt für Dieselfahrzeuge allgemein schwer belastet werden würde. Dies hatte deshalb so dramatische Auswirkungen auf den Platinpreis, da eine der Hauptverwendungen des silbrig glänzenden Edelmetalls die Verbauung in Abgaskatalysatoren von Dieselmotoren ist.

Seitdem konnte sich der Platinpreis innerhalb weniger Wochen um 25 Prozent erholen und notiert nun um Werte von knapp unter 1000 US-Dollar je Unze. Die Investoren richten nun ihr Augenmerk offensichtlich wieder auf andere Rahmenbedingungen des Platin-Marktes. Hier ist insbesondere die Sonderstellung des Hauptförderlandes Südafrika zu nennen, das 70 Prozent des weltweiten Platinangebotes fördert und das immer wieder durch lange und teilweise gewalttätige Streiks von Minenarbeitern erschüttert wird. In der Folge haben die dortigen Bergbauunternehmen ihre Investitionen zurückgefahren, was zu einer sinkenden Platinförderung und einem daraus resultierenden Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage führt.

Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf das Gold-Platin-Preisverhältnis, das angibt, wie viele Einheiten Platin benötigt werden, um eine Einheit Gold zu kaufen. Seit Anfang 2011 liegt der Goldpreis über dem Platinpreis, was historisch eine Anomalie darstellt, da Platin nicht nur als wertvoller gilt, sondern tatsächlich auch wesentlich seltener vorkommt als Gold. Dies drückte sich beispielsweise noch im Jahr 2008 in völlig anderen Preisverhältnissen aus, damals war Platin mit einem Rekordpreis von 2300 US-Dollar je Unze mehr als doppelt so teuer wie Gold mit einem damaligen Preis von 870 Dollar. Das heutige Gold-Platinverhältnis von über 1 ist also historisch sehr ungewöhnlich und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich solche „Gaps“ im Laufe der Zeit wieder schließen.

Da Platin im Gegensatz zu Gold auch eine robuste Nachfrage aus der Industrie aufweist, könnten die „weißen Metalle“ wie Platin, Silber und Palladium in den nächsten Jahren tatsächlich „zurückschlagen“, wie es Ole Hansen, ein Analyst der Saxo Bank vermutet. Anleger brauchen allerdings auch starke Nerven, da die Preisbewegungen bei Platin traditionell stärker ausgeprägt sind als bei Gold.

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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