Schäuble, Ströbele und die Ödipus-Republik

| 9. Juni 2016 | Kommentieren

Unzusammenhängende Betrachtungen, Teil 1

Schäuble bei der Karlspreisverleihung 2012, Foto: Wikipedia/Euku

Schäuble bei der Karlspreisverleihung 2012, Foto: Wikipedia/Euku

In der bundesrepublikanischen Diskussion taucht ein Thema immer wieder auf, nämlich Inzest und Inzucht. Das Thema wurde von verschiedenen Seiten angegangen, exemplarisch wollen wir hier zwei Figuren, die sich dazu geäußert haben, nämlich den Grünen Hans-Christian Ströbele und den gegenwärtige Finanzminister Wolfgang Schäuble, willkürlich herausgreifen und so tun, als hätten diese Beiträge etwas miteinander zu tun. Vielleicht haben sie das ja auch, irgendwie.

Fangen wir bei den Familiennamen unserer Helden an. Schäu-ble und Strö-bele. Na, klingelt es? Könnte das ein Hinweis auf irgendwas sein, zum Beispiel eine enge verwandtschaftliche Beziehung? Die Kette ließe sich verdichten. Jeder DDR-Bürger kannte den Schlagersänger Frank Schö-bel. Ein mögliches Bindeglied? Genetiker werden uns darüber aufklären können.
Allerdings haben beide das Thema von einer ganz anderen Seite angegangen, Ströbele etwas früher. Im Frühjahr 2012 forderte der Grüne eine Aufhebung des Inzest-Verbots. Es passe nicht mehr „in diese Zeit“. Irgendwie hat er natürlich Recht. Allerdings spricht das gegen diese Zeit. Wenn überall, außer im Flur, Chaos herrscht, sollte man dann auch noch im Flur Chaos hinzufügen, oder vielleicht einmal anfangen, aufzuräumen? Natürlich führt Inzest nicht unbedingt zur Inzucht, ist aber deren Vorbedingung.

Gewiß liegt das Problem tief. Ein Ströbele ist dabei zweifelsohne ideologischer Überzeugungstäter; der Abscheu gegen alles, was Menschen Würde, Wert und Haltung verleiht, ist den Grünen zum Kern des Denkens geworden. Die traditionelle Familie und die Verbindung von Sexualität mit Verantwortung sind dabei nicht ohne Grund bevorzugtes Angriffsziel, der Mensch wird hier vom privatesten Bereich ausgehend aufgelöst. Ströbele scheint jedenfalls ein Mehr an Inzucht für wünschenswert zu halten.

Schäuble schlägt hingegen anscheinend in eine ganz andere Kerbe. Dem Bundesfinanzminister zufolge ließe die Abschottung Europas gegen Afrika und Arabien „uns in Inzucht degenerieren“. Nun besteht Europa allerdings nicht allein aus zwei, drei Familien, etwa Schäuble, Ströbele und Fritzl, und auch außerhalb des deutschsprachigen Raums (mit über 90 Millionen Sprechern in Europa) stellt ein Lord Byron, der mit seiner Halbschwester Augusta Leigh vermutlich grüne Forderungen präventiv erfüllte, eher eine Ausnahme dar (wobei der Hochadel eh ein anderes Thema ist…).

Allerdings kennen die britischen Inseln durchaus ein besonderes Inzuchtproblem, nämlich die Verwandtenehen unter pakistanischen Einwanderern, die zu einem außergewöhnlich hohen Anteil von Menschen dieser Bevölkerungsgruppen in Pflegeheimen für „besondere“ Personen führt. Allgemein herrscht ja in Europa mit seinen hunderten Millionen Menschen eine stetige Wanderung und Kreuzung. Dieter heiratet Gabriella, James vermählt sich mit Natascha. Inzuchtschäden unter Europas Völkern sind nicht gerade üblich.

Das kleine Volk der Juden besteht aus weltweit nur etwas über 14 Millionen Menschen, davon leben rund 6 Millionen in Israel, die überwiegend untereinander heiraten. Sie sind bislang nicht „in Inzucht degeneriert“, oder möchte Herr Schäuble etwa das Gegenteil behaupten? Ich möchte ihm dies nicht unterstellen, doch müßte er sich dann, seiner eigenen Logik folgend, für eine stärkere Öffnung Israels für afrikanische und arabische Menschen einsetzen, so ihm das Wohl Israels am Herzen liegt. Aber er hat ja nichts von israelischer Inzucht gesagt, womit die Überlegung rein hypothetisch war.
Warum aber dieser Fehlgriff, was Europa angeht? Sind es am Ende persönliche Gründe? Verdrängung? Was würde ein Siggi Freud dazu sagen, daß Schäuble und Ströbele sich zum gleichen Thema äußern und in eine gegenteilige Richtung zwar, doch gleichermaßen von einer angemessenen Auffassung abweichen? Vielleicht wäre er ja in diesem Fall ein Gentleman und zöge es vor, vornehm zu schweigen.

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Kategorie: Allgemein, Satire

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