Schock für Börsianer: Kommt die Zinswende schon im Juni?

| 23. Mai 2016 | Kommentieren
Das „Eccles Building“, Hauptsitz der Federal Reserve in Washington, D.C., Foto: Dan Smith

Das „Eccles Building“, Hauptsitz der Federal Reserve in Washington, D.C., Foto: Dan Smith

US-Notenbank FED

Von Hans Driesch

Washington – Kommt die häufig verschobene Zinswende der US-Notenbank FED jetzt doch noch? Viele Beobachter rechnen jetzt schon mit einer Erhöhung der US-Leitzinsen im Juni. Die jüngsten Kursverluste an den amerikanischen Börsen resultieren schon aus der Angst vor einer Zinserhöhung, die durch die Veröffentlichung der jüngsten Fed-Sitzungsprotokolle, in denen sich Hinweise in diese Richtung finden, noch angefacht wurden. Höhere Zinsen erhöhen die Refinanzierungskosten für die Unternehmen und wirken deshalb oft als Beschleuniger für Kursverluste. In der vergangenen Woche haben einige Notenbanker mit ihren Äußerungen die Ängste der Börsianer sogar weiter angefacht. So äußerte beispielsweise der Chef der Federal Reserve von San Francisco, John Williams, gegenüber dem „Wall Street Journal“: „Ich glaube dass die Daten einen guten Grund geben, die Zinsen in den nächsten Meetings anzuheben.“ Auch eine erste Zinserhöhung im Juni wollte der Notenbanker aus San Francisco nicht ausschließen. Schon seit dem Dezember vergangenen Jahres befindet sich der Leitzinssatz der Fed nach einer Phase jahrelanger Nullzinsen bei 0,25 und 0,5 Prozent.

In eine ähnliche Richtung wie Williams äußerte sich auch sein Kollege Jeffrey M. Lacker von der Richmond FED, der äußerte, dass es gute Gründe gebe, die Zinsen schon im Juni zu erhöhen. Außerdem hätten die Märkte die FED missverstanden und überschätzt, wie lange diese bereit gewesen sei, eine Zinserhöhung herauszuschieben. Die Äußerungen schickten in der vergangenen Woche nicht nur die Aktienmärkte, sondern auch die Alternativwährung Gold auf Talfahrt. Beobachter der Geldpolitik der FED weisen allerdings auch darauf hin, dass eine Zinserhöhung vor dem britischen Referendum über einen EU-Austritt am 23. Juni als extrem unwahrscheinlich gilt. Es würde gegen alle Traditionen der FED verstoßen, vor einem solchen Datum, an dem die Nervosität der Märkte ohnehin hoch ist, die Unsicherheit nochmals zu steigern.

Sorgen über ein Wiederaufleben der Inflation und einer damit verbundenen Gefahr weiterer Zinserhöhungen gibt es allerdings auch in Deutschland. So deutet die Einigung im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie, bei der sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen auf einen Abschluss über 4,8 Prozent mehr Geld geeinigt haben, darauf hin, dass die Zeit sinkender Inflationsraten auch hierzulande bald beendet sein könnte.

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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