Schwesig erteilt Verbot von Killerspielen eine Absage

| 29. Juli 2016 | Kommentieren

Immer wieder die gleiche Debatte

Manuela Schwesig (SPD), Foto: Susie Knoll

Manuela Schwesig (SPD), Foto: Susie Knoll

Von Torsten Müller

Berlin – Immer, wenn es in Deutschland zu schweren Gewalttaten kommt, wird der Ruf nach dem Verbot von Videospielen laut, in denen Menschen erschossen werden. Sogenannte Egoshooter seien gewaltverherrlichend und würden die Hemmschwelle für echte Tötungen senken. Im Jahr 2005 forderte die damalige Bundesregierung ein Verbot solcher Spiele gar im Koalitionsvertrag.

Die Debatte hatte immer wieder an Fahrt gewonnen, nachdem es in Deutschland zu Amokläufen kam. War die Diskussion nach den Amokläufen von Erfurt im Jahr 2002, von Emsdetten im Jahr 2006 und von Winnenden im Jahr 2009 noch halbwegs nachvollziehbar, kann sie nach den aktuellen Terroranschlägen, die offenbar von IS-Dschihadisten verübt wurden, nur als verfehlt bezeichnet werden.

Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) erteilte der Forderung nach einem Verbot derartiger Spiele nun eine Absage. Sie sei zwar keine Freundin derartiger Spiele, auch sei nicht von der Hand zu weisen, dass viele Amokläufer vorher exzessiv derartige Spiele gespielt haben. Schwesig dazu aber weiter: „Aber nicht jeder, der diese Art von Spielen spielt, wird auch zum Amokläufer.“

Sie würde gerne sehen, dass nach einem Verbot solcher Spiele ähnlich schreckliche Taten nicht mehr passieren. Sie wendet aber ein: „Aber das ist ja leider nicht der Fall. Ein Verbot nur als “politische Beruhigungspille” wäre nicht ehrlich.“

Anders sehen das offenbar einige Unionspolitiker. So sagte der Unionsfraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU): „Diese Ego-Shooter-Spiele müssen einmal hinterfragt werden.“ Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) beklagte „das unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet“. Dieses habe eine schädliche Wirkung gerade auf die Entwicklung auch junger Menschen.

Auch wenn die Debatte um ein Verbot derartiger Spiele reflexhaft immer wieder auflebt, wenn es in Deutschland zu einer überregional wahrgenommenen Gewalttat kommt, wird die sie dadurch nicht sinnvoller. Ähnlich wie die schon oft wiedergekäute Debatte um eine Verschärfung des Waffenrechts geht auch sie an der Realität vorbei. So wird der Großteil der Morde unter Verwendung von Schusswaffen mit illegal erworbenen Waffen verübt.

Nicht jeder Terrorist spielt Egoshooter, aber jeder Terrorist ist Moslem. Hier müssen die politischen Maßnahmen ansetzen, wenn sie nicht – wie von Schwesig richtig angemerkt – nur Beruhigungspillen sein sollen.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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