Setzt AdvoAdvice um Dr. Sven Tintemann die Arbeit von Dr. Thomas Schulte und Partner fort?

| 30. August 2016 | Kommentieren

Ergebnisse für Anleger oder nur Kosten für Rechtsschutzversicherung?

Von Rüdiger Dietrich

Berlin – Die Rechtsanwaltskanzlei AdvoAdvice der Herren Dr. Sven Tintemann und Kim Oliver Klevenhagen ist ausweislich ihres Internetauftritts unter anderem auf Kapitalmarkt- und Insolvenzrecht spezialisiert. Die Adresse der Sozietät ist die gleiche der Dr. Schulte und Partner mbH in der Malteserstrasse 172 in Berlin. Die Herren Tintemann und Klevenhagen gehörten auch dem Dr. Schulte-Team an. Das Betätigungsfeld scheint auf den ersten Blick auch vergleichbar bis identisch zu sein. In jüngster Vergangenheit war auffällig von Bemühungen zu hören, Mandate von Anlegern zu erhalten, indem nachdrücklich auf die Möglichkeit der Inanspruchnahme der Rechtsschutzversicherung hingewiesen wurde. So bezüglich Anlegeransprüchen gegenüber der SAM AG, Leo One Investment GmbH und der Thormann-Gruppe. Kurz gesagt, geht es – zumindest vordergründig – darum, ob die zu Mandanten gewordenen Anleger bezüglich ihrer als nachrangig angesehenen Ansprüche in eine Vorrangstellung gelangen können. Abgesehen von der Frage, ob überhaupt noch realistisch Ansprüche zu verwirklichen sein werden…

Die Materie hat eine komplexe Historie: Die 2012 von der Schweizer Finanzaufsicht wegen Fehlens einer erforderlich Bankgenehmigung in Bedrängnis geratene und insolvent gegangene Swiss Management Group (SAM AG) hatte Kunden ihre Lebensversicherungsverträge abgekauft, um die Rückkaufswerte als Darlehen zu vereinnahmen. Seinerzeit gründeten Dr. Thomas Schulte und Partner eine Geschädigtengemeinschaft. Bei nachfolgenden Klageerhebungen handelt es sich um Übertragungen auf die ehemalige Leo One Investment GmbH, die von Michael Thormann erworben wurde, um das Investmentunternehmen Thormann Capital GmbH zu gründen. Fraglich ist abgesehen vom Verbraucherschutzaspekt jedoch, dass bezüglich dieses Themenkomplexes außergerichtliche Anspruchsschreiben an die Vermittler/Berater im Namen von Anlegern ergingen, selbst wenn diese ihr Mandat bereits niedergelegt hatten. Ein diesbezügliches Schreiben eines Geschädigten an Dr. Tintemann, das einigen Pressestellen zuging, liegt Nortexa vor. Der betroffene Verfasser warf darin die Frage auf, worin das rechtsanwaltliche Interesse begründet liege, nachdem die Mandatsniederlegung sogar schriftlich bestätigt wurde.

Lieferte die laut besagtem Schreiben telefonisch getätigte Aussage der Sekretärin womöglich die Antwort? Angeblich soll diese lediglich darauf verwiesen haben, dass die Rechtsschutzversicherung doch ohnehin eine Deckungszusage erteilt hätte. Im Zusammenhang mit einem Schreiben, das der Nortexa-Redaktion ebenfalls vorliegt, in dem Dr. Tintemann an in Sachen Geschädigtengemeinschaft unterstützende Rechtsanwälte ausdrücklich eine Unterlassung einer Rechnungslegung gegenüber in Untervollmacht vertretenen Mandanten fordert, welche keine RSV oder keine Deckung dort hätten, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Vorwürfe aufkommen, dass nicht auszuschließen das Interesse an einer Rechtsschutzversicherung dasjenige der Befriedigung der Anlegerinteressen überwiege. Ein dahingehender Vorwurf kann auch aus einem Beschwerdeschreiben gegenüber der Conversio Aidlingen GmbH herausgelesen werden, von dem Nortexa Kenntnis hat. Die Conversio Aidlingen GmbH erklärte sich seinerzeit bereit, die Forderung an die SAM AG abzukaufen, sofern die Anleger ihre Strafanzeigen und Schadensersatzansprüche gegen die Vermittler und Verantwortlichen der SAM AG fallen ließen. Die Gesellschaft wurde auch Bestandteil der diesbezüglichen Rettungskoalition um Dr. Schulte und Partner. In oben genanntem Beschwerdeschreiben wird sich von betroffener Seite beklagt, dass zu einem Gerichtstermin auf Landgerichtsebene Anfang Juni seitens der Berliner Kanzlei eine unzureichend vorbereitete Anwältin mit unvollständigen Unterlagen entsandt wurde. Auch in diesem Schreiben wurde zynisch die Frage gestellt, was sich Anwälte und Richterin von der Rechtsschutzversicherung bezahlen lassen werden.

Der Kreis der Inanspruchzunehmenden, gegen die Klageerhebungen drohen, umfasst auch Anlagevermittler, obgleich ein Schreiben eines Investmentberater an die Conversio Aidlingen GmbH bekannt ist, in dem behauptet wird, RA Dr. Tintemann hätte mehrmals festgestellt, dass dem Vermittler nach den vorliegenden Erkenntnissen keine Schuld zuzuweisen sei. Geht es nun um Verbraucherschutz oder ein lukratives Geschäft bzw. würden sich die Rechtsschutzversicherungen so leicht missbräuchlich in Anspruch nehmen lassen? Fragen, denen bei Bekanntwerden weiterer Beschwerden nachzugehen journalistisch angemessen sein könnte.

Dr. Thomas Schulte, der sich selbst als renommierter „Verbraucherschutzanwalt“ sieht, kam zwischenzeitlich in Verdacht beim Betrug der BWF Stiftung Berlin eingebunden gewesen zu sein. Böse Zungen glauben daher, dass Tintemann und Klevenhagen nun für ihren Ex-Boss zeitweise die Stellung halten, da Dr. Thomas Schulte im Zuge der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zur BWF Stiftung sicher nicht mehr unumstritten ist.

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Kategorie: Allgemein, Finanzen

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