Sozialverband fordert deutliche Erhöhung

| 26. August 2016 | Kommentieren

Mindestlohn

SoVD

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Von Torsten Müller

Berlin – In kaum einem anderen Bereich zeigt sich die Labilität und geringe Zukunftstauglichkeit des deutschen Sozialstaats so deutlich wie bei der Rentenkasse. Schon jetzt müssen jährlich rund 80 Milliarden Euro an Steuergeldern zugeschossen werden, damit die laufenden Renten überhaupt bezahlt werden können. In den kommenden Jahren wird davon ausgegangen, dass die jährliche Summe mehr als 100 Milliarden Euro betragen wird. Das deutsche Rentensystem steht auf tönernen Füßen.

Seit einigen Jahren wird in regelmäßigen Abständen darüber berichtet, dass die Altersarmut in Deutschland ein alarmierendes Ausmaß angenommen hat und in den nächsten Jahren noch deutlich zunehmen wird. Zu Beginn des Jahres 2016 lag das Risiko der über 65-Jährigen, in die Armut abzurutschen, bei 15,6 Prozent (2005: 10,7 Prozent). Dieses Risiko betrifft aktuell also rund 3,4 Millionen Rentner in Deutschland. Rund 500.000 Rentner sind derzeit auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

Der Sozialverband (SoVD) hat sich nun dafür ausgesprochen, den Mindestlohn deutlich zu erhöhen, um Altersarmut künftig zu verhindern. Im neuen Positionspapier „Bekämpfung von Altersarmut“ wird gefordert, den bestehenden Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro auf 11,60 Euro anzuheben. Nur so sei laut SoVD gewährleistet, dass nach 45 Beitragsjahren eine Rentenhöhe über der Grundsicherung erzielt werden kann. Dazu sagte der SoVD-Präsident Adolf Bauer: „Es geht um eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.“

Ähnlich wie der Sozialverband VdK spricht sich auch der Sozialverband SoVD für die Anhebung des Rentenniveaus von derzeit 47,7 Prozent auf 50 Prozent des durchschnittlichen Arbeitseinkommens aus.

Die Bundesbank hatte kürzlich gefordert, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre anzuheben.

Die Bundesregierung hat bisher kein Konzept präsentiert, wie der drohenden Massen-Altersarmut beizukommen ist, obwohl das Problem seit langem bekannt ist. So war es das Bundessozialministerium selbst, das im Jahr 2012 eine Studie vorstellte, der zufolge alle Erwerbstätigen, die über 35 Jahre hinweg weniger als 2.500 Euro brutto verdienen, am Tag ihres Renteneintritts auf Grundsicherung im Alter angewiesen sein werden.

Die Fakten sind bekannt, doch die Bundesregierung scheint das Problem der wachsenden Altersarmut aussitzen zu wollen.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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