Stellvertretender AfD-Sprecher Gauland vergibt Chancen vor laufender Kamera

| 23. April 2016 | Kommentieren
Quelle: Flickr / Alexander Gauland (AfD) - AfDParteitag 25.1.2014, Urheber: blu-news.org

Quelle: Flickr / Alexander Gauland (AfD) – AfDParteitag 25.1.2014, Urheber: blu-news.org

Farbloser Auftritt Alexander Gaulands bei Maybritt Illner

Von Karl Buckatz

Alexander Gauland wirkte müde. Es wäre nicht nur für ihn wirklich besser gewesen, der Schwatzrunde („Angst vor der Parallelgesellschaft: Kann Deutschland Integration?“) fernzubleiben, obwohl sie von der Moderatorin mit erstaunlich offenen Worten – einer Steilvorlage gleich – eingeleitet wurde: „Kaiserslautern Asternweg, Bremen Vahr, Pforzheim Haidach, Heidelberg Emmertsgrund – die Viertel tragen wohlklingende Namen. Aber richtig wohl fühlt sich keiner hier. Viele leben hier von der Stütze, viele Aussiedler, viele Migranten – Kriminalität, wenig Hoffnung. Und 100.000 Flüchtlinge, die derzeit noch in Turnhallen leben, werden absehbar genau dort landen. Sie werden sich schlicht keine andere Bleibe leisten können. „Integriert“ wird dann in die sozialen Brennpunkte, irgendwo zwischen Hartz, Hinterhofmoschee und manchmal auch Knast. Wie – und das ist heute die Frage – lässt sich das in Zukunft vermeiden?“

Diese erschreckend realistische Schilderung der Zustände hätte Gaulands Gegenspielern gleich zu Beginn die Schamesröte ins Gesicht treiben müssen. Doch daraus wurde nichts, das konnte auch der Auftritt der Bochumer Polizeibeamtin Tania Kambouri („Deutschland im Blaulicht – Notruf einer Polizistin“) nicht ändern. Kambouri berichtete zum wiederholten Male darüber, dass vor allem arabischstämmige Männer ihr mit „absoluter Respektlosigkeit“ begegneten. Andere Gäste wie Klaus Leggewie (Politikwissenschaftler, Kulturwissenschaftliches Institut Essen) oder Sineb El Masrar (Autorin und Journalistin marokkanischer Abstammung) zerredeten die Probleme und CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn gefiel sich in der Rolle des routinierten Politikers, der auf alles eine Antwort aber keine konkrete Lösung zu bieten hat.

Dem konnte oder wollte der 75jährige AfD-Vize Gauland wenig entgegensetzen. Stattdessen verhaspelte er sich in der Argumentation zu der Frage, ob der Islam denn hierher gehören würde: „Muslime gehören zu Deutschland, der Islam als kompakte Religionsgemeinschaft hat hier in diesem Lande keine Spuren hinterlassen.“ Über die mittlerweile mindestens 5 Millionen Anhänger des Propheten und die nicht immer erfreulichen Spuren, die sie seit Jahren hinterlassen, sagte er nichts.

Gauland war auch nicht bereit, sich öffentlich darüber Gedanken zu machen, wie die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte wieder rückgängig gemacht werden könnten. Auf die Frage „Was mit den Millionen Muslimen tun?“ kam die hilflos klingende Antwort „Die einen deutschen Pass haben, die kann man nicht abschieben – das will auch keiner.“ Wirklich nicht? Man erinnere sich an Helmut Kohl, der vor gut dreißig Jahren ein Rückführungsprogramm für türkische Gastarbeiter finanzieren, allerdings nicht konsequent umsetzen ließ!

Alexander Gauland beschränkte sich auf die selbst von der CSU vertretene Minimalforderung, „keine neuen Männer, Muslime, Flüchtlinge“ mehr aufzunehmen, weil er befürchtet, dass dadurch die Parallelgesellschaften jetzt noch verstärkt würden. Sein Satz „Wir müssen Integration betreiben bei denen, die da sind“, könnte auch von Vertretern aller anderen im Bundestag vertretenen Parteien stammen. Vierzig Jahre CDU-Mitgliedschaft und Mitarbeit im politischen System der BRD haben ihre Spuren hinterlassen. Anders sind die folgenden Sätze nicht zu erklären: „Wenn man Menschen integriert, muss man ihnen natürlich eine Chance geben. Da sehe ich gewisse Probleme am unteren Ende. Wir sind auch für den Mindestlohn, für die Beibehaltung des Mindestlohns auch für Migranten. Und ich sehe nicht, dass die Probleme gelöst werden, dass dann z.B. die Vorrangregelungen aufgegeben werden.“ Sorgen macht sich Gauland nur um den sozialen Frieden, der in Gefahr geraten könnte, wenn wir „den Deutschen an dem unteren Ende der Skala das Gefühl geben, sie kommen erst nach den Flüchtlingen dran“. Diese Binsenweisheiten kann man selbst im Bundestag hören, in dem die AfD bislang nicht vertreten ist.

Die bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen in den französischen Banlieues, das Kippen der Bevölkerungsstrukturen in Schweden, England und anderen Europäischen Ländern, das kriminelle Treiben arabischer und kurdischer Großfamilien oder die Ruinierung des Bildungssystems in Deutschland – Fehlanzeige! Der weltweite islamische Terror, die Verwandlung des Libanon – einst „Schweiz des nahen Ostens“ genannt – in ein Schlachtfeld nationaler und religiöser, meist islamischer Interessen als Horrorszenario auch für Europa, all das wurde bei Maybritt Illner wie die Ursachen der modernen Völkerwanderung ausgeblendet. Und auch Alexander Gauland als führender Vertreter der derzeit bedeutendsten politischen „Alternative“ brachte es nicht fertig, diese Themen vor der Kamera zur Sprache zu bringen. Nicht umsonst konnte er deshalb in den Rezensionen der Presse als der „Verlierer“ des Abends dargestellt werden.

Wenn sich die AfD am Wochenende des 30.04/01.05.2016 in Stuttgart versammeln wird, um über ihr Parteiprogramm zu debattieren, wird sie um all diese Fragen nicht herumkommen. Und nicht nur Alexander Gauland und Frauke Petry werden Antworten finden müssen, wenn ihre Partei eine Zukunft haben will. Es geht um Deutschland und Europa – nicht mehr und nicht weniger.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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