Stiftungen unter Druck der Niedrigzinsphase

| 13. April 2017 | 1 Kommentar

Jede dritte Stiftung erzielt keine Rendite oberhalb der Inflationsrate!

Prof. Dr. Michael Göring, Foto: michael-goering.com

Prof. Dr. Michael Göring, Foto: michael-goering.com

Berlin – Deutschlands Stiftungen stehen in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen zunehmend unter Druck. Wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen auf seiner Jahrespressekonferenz bekannt gab, erwarten laut einer Befragung seines StiftungsPanels nur noch zwei Drittel der Stiftungen Renditen oberhalb der prognostizierten Jahresinflationsrate. Dabei trifft die Ertragskrise kleine Stiftungen mit einem Vermögen von unter 1 Million Euro besonders hart: Hier rechnen nur noch etwa die Hälfte der befragten Stiftungen mit Renditen über dem diesjährigen zu erwartenden Inflationsniveau. Die Zahl der Stiftungen in Deutschland liegt bei 21.806, die Stiftungsneugründungen verblieben auf dem Vorjahresniveau. Dies war immerhin noch eine Wachstumsquote von 2,4 Prozent. „Das sind gute Nachrichten aus der Zivilgesellschaft in anspruchsvollen Zeiten“, konstatiert Prof. Dr. Michael Göring, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Im Rahmen des StiftungsPanels, einer deutschlandweit einzigartigen Befragung unter Stiftungen, wurden Zahlen zur Vermögenssituation von Stiftungen in Niedrigzinszeiten im Zeitraum zwischen Januar und Februar 2017 ermittelt. Für 2017 erwarten nur noch 65,1 Prozent der befragten Stiftungen, dass sie Renditen oberhalb des prognostizierten Inflationsniveaus von 1,5 Prozent erreichen werden. Unter kleinen Stiftungen mit einem Vermögen von unter 1 Million Euro, sie machen rund 70 Prozent der deutschen Stiftungen aus, ist die Lage noch schwieriger. Hier rechnen 2017 nur rund 56 Prozent der befragten Stiftungen damit, dass die Renditen über dem Inflationsniveau liegen werden. „Die Lage ist ernst – aber Stiftungen sind in ihrer Wirkung nicht vom Kapitalmarkt abhängig. Die anhaltende Niedrigzinsphase führt den deutschen Stiftungssektor in eine neue Phase des Stiftungswirkens. Ich bin optimistisch, dass wir gestärkt daraus hervorgehen werden. Die Vorbilder für ertragreiche, nachhaltige und wirkungsorientierte Investitionen sind da. Damit mehr Stiftungen diesen Beispielen folgen können, muss die Bundesregierung jetzt aber die Reform des Stiftungsrechts zügig umsetzen“, lautet die etwas zweckoptimistisch klingende Bewertung von Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. „Das Stiftungsmodel wird an seine Grenzen geführt.“, analysiert hingegen Prof. Ann-Kristin Achleitner, Wirtschaftsprofessorin an der TU München.

Als unabhängiger Dachverband vertritt der Bundesverband Deutscher Stiftungen die Interessen der Stiftungen in Deutschland. Der Verband sieht Handlungsbedarf insbesondere in drei Bereichen, um das Stiftungswesen in Deutschland zu fördern. Erstens sollen die Rechte von Stifterinnen und Stiftern gestärkt werden, indem das Gesetz erlaubt, den Stiftungszweck auch zu Lebzeiten des Stiftenden nachträglich anzupassen. Zweitens wird gefordert, dass die Zu- und Zusammenlegung von Stiftungen sowie die Möglichkeit der Umwandlung in eine Verbrauchsstiftung erleichtert werden. Drittens spricht sich der Verband für die Etablierung und Optimierung rechtlicher Rahmendbedingungen auf Bundesebene aus und unterstützt Bestrebungen nach mehr Transparenz im Stiftungssektor durch die Schaffung eines öffentlich einsehbaren Stiftungsregisters.

Von Reinhold Meier

Stichworte: , , , ,

Kategorie: Allgemein, Politik

Kommentare (1)

Trackback URL | Kommentare RSS Feed

Seiten, die auf diesen Artikel verweisen

  1. Stiftungen unter Druck der Niedrigzinsphase – Der Freiheitliche : Der Freiheitliche | 14. April 2017

Kommentar schreiben