Terror-Experte vermutet IS-Zelle in Bayern

| 27. Juli 2016 | Kommentieren

Mögliches Terroristennetzwerk

Prof. Joachim Krause, Foto: uni-kiel.de

Prof. Joachim Krause, Foto: uni-kiel.de

Von Torsten Müller

Würzburg/München – Der Terror-Experte und Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, Joachim Krause, hat nach dem Axt-Anschlag von Würzburg und dem Sprengstoffanschlag von Ansbach den Verdacht geäußert, dass beide Taten etwas miteinander zu tun haben und dass beide Taten das Werk einer Zelle des „Islamischen Staates“ (IS) sein könnten. Krause dazu wörtlich: „Einiges deutet darauf hin, dass hinter den Anschlägen in Würzburg und Ansbach ein IS-Netzwerk steckt, das in Bayern sein Unwesen treibt.“

Dafür spreche, dass der IS kurze Zeit nach den Taten Bekennervideos veröffentlichte, die vorher nicht im Internet kursierten. Laut dem Sprachrohr der Terrormiliz hätten die Täter auf Aufrufe reagiert, die Länder der internationalen Koalition anzugreifen, die den IS im Irak und in Syrien bekämpfen. So hatte der Axt-Angreifer von Würzburg in einem Video gesagt: „Ich bin ein Soldat des Islamischen Staates und beginne eine heilige Operation.“ In diesem Zusammenhang sagt Krause weiter: „Wenn der IS Videos von diesen Attentätern veröffentlicht, die exklusiv sind und nicht vorher schon im Internet herumschwirrten, dann muss man davon ausgehen, dass es einen Kontakt zwischen der Terrormiliz und den Angreifern gab.“

Krause mit Blick auf die Bildung eines Islamisten-Netzwerks in Bayern weiter: „Ich könnte mir vorstellen, dass es sich bei den Tätern um keine einsamen Wölfe handelte.“ Der Axt-Attentäter von Würzburg habe nur rund 50 Kilometer entfernt von Ansbach gelebt, was durchaus ein Indiz dafür sein könnte, dass die beiden Täter sich nicht nur kannten, sondern Mitglied der gleichen Terrorzelle waren. Auch die Tatsache, dass es sich bei beiden Tätern um Flüchtlinge handelt, deute auf das Vorhandensein eines Netzwerks hin: „Es ist bekannt, dass Islamisten sich oft an junge Flüchtlinge heranmachen und versuchen, sie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.“

Ähnlich wie bei dem Lkw-Anschlag in Nizza, bei dem im Nachhinein bekannt wurde, dass der Täter mindestens sieben Komplizen hatte, könnten auch bei den beiden Taten in Bayern IS-Planer im Hintergrund gewirkt und die Taten vorbereitet haben: „Ob die Attentäter von Würzburg und Ansbach auch solche Terror-Komplizen hatten, werden die Ermittlungen der Sicherheitsbehörden in den kommenden Wochen zeigen.“

Sicher ist schon jetzt: der islamistische Terror hat endgültig Einzug in Deutschland gehalten und er kann – entgegen den Aussagen vieler Politiker – nicht losgelöst von der Flüchtlingskrise gesehen werden.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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