„Tichys Einblick“ demnächst als Printmagazin

| 8. September 2016 | Kommentieren

Kitt für konservative Fugen?

Roland Tichy, Foto: tichyseinblick.de

Roland Tichy, Foto: tichyseinblick.de

Von Ruedi Strese

Der konservativ-liberale Politiker und Publizist Roland Tichy, ehemaliger Gehilfe der Regierung Kohl, ebenso ehemaliger Chefredakteur und gegenwärtiger Herausgeber der Nachrichtenredaktion von XING sowie Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung leitet seit Ende 2014 das Online-Nachrichtenmagazin „Tichys Einblick“. Demnächst soll dieses auch in gedruckter Form erscheinen.

Der 10. Oktober ist als Veröffentlichungstag der ersten Ausgabe des Magazins, welches als „unabhängiges Magazin für Selberdenker jenseits des Mainstreams“ im monatlichen Rhythmus im Münchner Finanzen Verlag erscheinen soll, angedacht. Nun stellt sich zuerst die Frage nach den möglichen Erfolgsaussichten eines solchen Projekts.

Der typische Leser von Tichys Einblick träumt von einer Zeit, als die CDU noch die CDU war. Die Wirtschaft lief, die Kriminalität begegnete einem zumindest nicht bei jedem Schritt ins Treppenhaus, die Grenzen der Bundesrepublik wurden noch kontrolliert. Irgendwie hofft er eigentlich immer noch, daß er alles, was die Regierung Merkel macht, irgendwie nur nicht ganz versteht, und plötzlich – abrakadabra! – zeigt sich, wie klug die Kanzlerin doch gehandelt habe, alles läuft wieder, wie es sollte, der Spuk ist vorbei – da hat sie uns aber einen ganz schönen Schrecken eingejagt… heimlich spielt er aber schon mit dem Gedanken, im Falle eines Falles, sein Kreuz vielleicht doch einmal bei der AfD zu machen…

Im Netz ist Tichys Angebot kostenlos verfügbar, gebeten wird um freiwillige Zahlung. Die Druckausgabe soll hingegen, bei einem Umfang von rund 100 Seiten, 8 Euro kosten. Ein stolzer Preis. Spekuliert wird auf eine zahlungswillige Kundschaft, die aus Überzeugung gerne etwas mehr bezahlt, um eine Auswahl der besten Texte aus dem Online-Angebot in gedruckter Form zu erhalten, erweitert um Bilderstrecken und Interviews, welche allerdings später auch wieder im Netz vefügbar sein sollen.

Tichy und Frank B. Werner, Chef des Finanzen Verlags, glauben aufgrund der Aussagen von Großhändlern, „dass der Markt ein liberal-konservatives Magazin brauche, das man mit Anstand mit sich herumtragen kann.“ Autoren wie Bettina Röhl, Hugo Müller-Vogg, Wolfgang Herles und natürlich Tichy selbst sollen dafür stehen. Im besten Fall erwartet uns ein Beispiel hochwertiger konservativer Publizistik, im schlimmsten Falle droht ein Projekt, welches beständig zwischen dem Wunsch, die CDU möge doch bitte wieder etwas konservativer sein, und der Furcht, irgendwie als „rechts“ gebrandmarkt zu werden, hin- und herpendelt. In jedem Fall dürfte es sich um ein Nischenprodukt handeln.

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Kategorie: Allgemein, Kommentar

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