Türkei-Experte warnt vor Konfliktimport

| 7. November 2016 | Kommentieren

Kurden gegen Türken

flag_turkish_turkeyVon Torsten Müller

Berlin – Was hat es mit der Sicherheit in Deutschland zu tun, wenn sich Türken und Kurden in die Haare bekommen? Sehr viel, denn es leben mittlerweile mehrere Millionen Menschen aus der Türkei – Kurden und Türken – in deutschen Städten und tragen ihre Konflikte hierzulande aus. Die Polizei muss türkische und kurdische Großdemonstrationen in Zaum halten, auch die Sicherheit mehrerer türkischstämmiger Bundestagsabgeordneter gilt spätestens seit der Armenienresolution als gefährdet.

Die Türkei ist durch zahlreiche politische, ethnische und religiöse Konflikte geprägt, die sich aufgrund der Massenzuwanderung nach Deutschland und Europa nicht mehr auf die Türkei beschränken.

Der Türkei-Experte Ahmet Senyurt hat nun davor gewarnt, die damit einhergehenden Gefahren zu unterschätzen. Senyurt dazu wörtlich: „Wir erleben gerade das Beispiel eines Konfliktimportes wie in den 1990er-Jahren. Damals verbrannten sich Kurden auf deutschen Autobahnen, um auf ihre Sache aufmerksam zu machen. Jede Aktion der Türkei gegen die verbotene kurdische Bewegung PKK und ihren legalen Arm führt zu Protesten, unter Umständen sogar zur Gewalt in Europa, auch in Deutschland. Dieser Konfliktimport radikalisiert perspektivisch beide Gruppen, sowohl die Kurden als auch die staatstreuen Türken.“
Problematisch sei vor allem, dass beim Blick auf die Kurden nicht mehr differenziert werde: „Sie sehen die kurdische Bewegung, sowohl die legale als auch die PKK, als Terrorbewegung. Jeder, der sich der kurdischen Sache annimmt, von Solidarität bis zur aktiven Teilnahme, ist für diese Kreise ein Terrorist. Entsprechend reagiert der türkische Staat und entsprechend reagieren die Erdogan-Anhänger in Deutschland.“

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sei vor allem auch für Türken, die schlecht integriert sind, eine Symbolfigur. Mit gewaltsamen Ausschreitungen müsse man rechnen: „Da muss man abwarten. Die kurdische Seite ist sicherlich schlau genug, um zu erkennen, dass momentan offensichtlich der Schwarze Peter in Ankara liegt. Das versucht sie natürlich propagandistisch auszunutzen. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob es zur Gewalt kommt oder ob politische Mittel genutzt werden.“

Vor diesem Hintergrund kann man es nur als irrwitzig bezeichnen, dass die Bundesregierung gegenüber der türkischen Staatsführung signalisiert hat, sich für visafreie Einreisen für türkische Staatsbürger einsetzen zu wollen.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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