Türken in Deutschland sind immer religiöser

| 20. Juni 2016 | Kommentieren

Religion als Integrationshindernis?

Von Torsten Müller

Prof. Dr. Detlef Pollack, Foto: Youtube

Prof. Dr. Detlef Pollack, Foto: Youtube

Berlin – Der Religionssoziologe Detlef Pollack hat eine Studie vorgestellt, in der er sich mit der religiösen Bindung und fundamentalistischen Einstellungen unter in Deutschland lebenden Türken beschäftigt. Er hatte Türken unterschiedlicher Generationen mit Aussagen konfrontiert, die in etwas darauf schließen lassen, wie stark sich ältere und jüngere Menschen mit türkischen Wurzeln als religiös, fundamentalistisch oder gar islamistisch wahrnehmen.

Pollack weist darauf hin, dass der Islam durchaus ein Integrationshindernis sein könne. Pollack mit Blick auf den Islam wörtlich: „Doch er kann auch ein Hindernis sein und zwar aus folgendem Grund: Muslime finden sich in der deutschen Mehrheitsgesellschaft oft nicht so hoch geachtet und respektiert. Deswegen inszenieren sie den Islam als eine Form der Selbstbehauptung. Die eigene Herkunftsprägung wird dann gegenüber der Mehrheitsgesellschaft sehr stark herausgestellt.“
Pollacks Studie hat ergeben, dass rund ein Drittel der Befragten der Aussage zustimmt, dass man zu den gesellschaftlichen Verhältnissen zu Zeiten von Mohammed zurückkehren solle. Fast die Hälfte ist der Auffassung, dass es nur eine wahre Religion gebe und dass man die religiösen Gebote über die Gesetze des Staates stellen müsse. Die Studie konfrontierte die Befragten mit vier konkreten Aussagen, deren Beantwortung auf das Maß von Fundamentalismus schließen lassen. 13 Prozent der Befragten haben alle Fragen so beantwortet, sodass die Macher der Studie auf eine „verhärtete fundamentalistische Einstellung“ schließen. Doch viele Befragte beantworten die Fragen zumindest zum Teil in dieser Form, weshalb man mit Fug und Recht sagen kann, dass fundamentalistisches und damit mit den deutschen Gesetzen schwer in Einklang zu bringendes Denken unter älteren wie jüngeren Türken bzw. Türkischstämmigen weit verbreitet ist.

Die religiöse Praxis habe unter jüngeren Türken abgenommen, sie empfinden sich aber laut dem Religionssoziologen als religiöser als frühere Generationen von in Deutschland lebenden Türken. Dazu führt Pollack aus: „Zugleich verstehen sie sich aber sehr wohl als Muslime – und zwar in einem höheren Anteil, als die Angehörigen der ersten Generation. Das hat wohl sehr viel damit zu tun, dass sie den Islam als ein Medium benutzen, um sich in der Mehrheitsgesellschaft – aber auch gegenüber den eigenen Eltern und anderen Muslimen – als islamisch und traditionell darzustellen. Ihre religiöse Zugehörigkeit zeigen sie vor – und zwar stärker, als sie sie durch ihre religiöse Praxis untermauern können.“

Auch wenn die Studie nun von vielen Medien als Integrationsfortschritt gedeutet wird, kann aber dennoch festgehalten werden, dass problematische Einstellungen auch heute noch unter in Deutschland lebenden Türken weit verbreitet sind.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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