Umstrittene Petry-Äußerungen spalten AfD

| 2. Februar 2016 | Kommentieren
Frauke Petry, Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu

Frauke Petry, Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu

Schusswaffengebrauch

AfD-Chefin Frauke Petry hat mit ihren umstrittenen Äußerungen zu einem möglichen Schusswaffengebrauch zur Abwehr von Flüchtlingen erneut für heftigen Streit in der eigenen Partei gesorgt. Nach der Äußerung von Petry antwortete ihre Stellvertreterin Beatrix von Storch auf die Frage, ob auch der Zutritt von Frauen und Kindern mit Waffengewalt verhindert werden soll, mit Ja. Kurz darauf ruderte sie aber bereits zurück: „Gegen Kinder ist der Schusswaffeneinsatz richtigerweise nicht zulässig. Frauen sind anders als Kinder verständig.“ Am Montag ist nun auch der Parteivorstand zurückgerudert und erklärte, dass man nicht auf Personen schießen sollte, „die friedlich Einlass begehren.“

Mehrere führende AfD-Funktionäre haben nun deutliche Kritik an Petry geübt, selbst von personellen Konsequenzen ist bereits die Rede. AfD-Vize Gauland sagte in diesem Zusammenhang: „Gezieltes Schießen auf Menschen kommt für die AfD nicht infrage.“ Auch Stellvertreter Jörg Meuthen, der AfD-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg ist, will sich diesmal nicht hinter Petry stellen: „Das ist ein Paradebeispiel unglückseliger Kommunikation.“

Ebenso wird kritisiert, dass Petry den Vorstand häufig übergehe und mit ihrem Lebensgefährten, dem nordrhein-westfälischen AfD-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell, häufige Alleingänge wage. Das Vorgehen der Parteichefin soll nun Thema bei der nächsten Vorstandssitzung sein. Ein AfD-Vorstandsmitglied sagte, dass Petry sich mit ihren Äußerungen ins Abseits gestellt habe. Die Person sagte dazu weiter: „Sie muss unter Kontrolle gebracht werden. Wenn sie nicht persönliche Konsequenzen zieht.“ Auch Storch gelte nach ihren umstrittenen Äußerungen nicht mehr als geeignete Führungsperson. Es soll nun bereits Überlegungen geben, Gauland als Nachfolger von Petry aufzubauen.

Auch der ehemalige AfD-Chef Bernd Lucke meldete sich in dieser Frage nun zu Wort. Lucke dazu wörtlich: „Der Umgang der AfD mit Flüchtlingen ist inhuman, unmenschlich und nicht zu ertragen.“ Die AfD verfolge „eine hässliche Politik, sie will die Leute nicht in Deutschland haben”. Auch an Frauke Petry und Alexander Gauland übte er deutliche Kritik: „Sie haben dieser Radikalisierung keinen Einhalt geboten, sondern sie auch noch befördert.”

Die AfD kommt nicht zur Ruhe. Nachdem sie den Führungsstreit zwischen Lucke und Petry mit einem rund 20-prozentigen Mitgliederverlust überwunden hatte, setzte der Streit zwischen Petry und dem radikaleren Flügel um den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke ein. Nun droht neuer Ärger.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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