Unbeeindruckt von FED-Zinserhöhungsdebatte investiert Blackrock massiv in Gold!

| 23. Mai 2016 | Kommentieren
BlackRock Zentrale in Midtown Manhattan, New York City, Foto: Americasroof

BlackRock Zentrale in Midtown Manhattan, New York City, Foto: Americasroof

Goldmarkt

Von Rüdiger Dietrich

New York – Die Diskussion über eine anstehende Zinserhöhung der FED nimmt an Fahrt zu und die Markterwartung dürfte inzwischen mit ziemlicher Sicherheit in Richtung erhöhtem US-Leitzins tendieren. Mit Blick auf die Geldanlagen schaut in diesem Umfeld die Investorengemeinde erfahrungsgemäß gespannt auf den Goldmarkt. Wird sich die seit Jahresanfang anhaltende Kurserholung nach einer Seitwärtsbewegung weiter fortsetzen oder erfolgt ein zinspolitisches Ausbremsen, und was bedeutet dies für die Minengesellschaften? Gold als nach wie vor sicherer Hafen oder vorerst doch mehr unkalkulierbares Spekulationsobjekt? Zieht man den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock als Orientierungshilfe heran, brauchen die Goldkäfer keineswegs in Nervosität zu geraten. Aktuell erhöhte die weltweit führende Investmentgesellschaft maßgeblich ihre Anteile am größten Gold-ETF und steigt damit zum größten Eigner des SPDR Gold Trust auf. Aber auch weitere bedeutende Investmentbanken kaufen gegenwärtig zu.

Im Zeitraum vom August 1999 bis September 2011 stieg der Preis für eine Unze Gold von 250 US-Dollar auf 1921 US-Dollar und erreichte damit den bisherigen historischen Höchststand. Anschließend war die Entwicklung Rückläufig bis zum Tief von 1050 US-Dollar im Dezember 2015, was einem Rückgang von mehr als 40 % entsprach. Allerdings erholte sich der Kurs seit Jahresanfang bis Mitte Mai wieder, indem er bislang ein Plus von etwa 20 % verzeichnete. In diesem Zeitraum nahm auch die Heimatwährung des Anlegers der Betrachtung des Goldpreises an Bedeutung zu. Insbesondere die Halter von Mienenaktien bedurften bzw. bedürfen in finanzpolitisch turbulenten Zeiten starker Nerven, da diese sich sowohl in guten, als auch in negativen Phasen viel extremer als der Preis des Rohstoffs bewegen. Allerdings bietet dem markterfahrenen Anleger eine hohe Volatilität auch gewisse Chancen. Verteuert sich Gold um zehn Prozent, kann es durchaus sein, dass Goldaktien sogar um 50 % nach oben schießen. Und nach der langen Durststrecke für Mienengesellschaften in den vergangenen Jahren dürften sich nur noch die Leistungsfähigsten am Markt gehalten haben, denen zudem mit Blick auf die Förderkosten zumindest der niedrige Ölpreis entgegenkommt.

Auch wenn Goldanleger gut beraten sind, nicht auf kurzfristige Gewinne zu schielen, werden die Phasen unmittelbar nach einer Zinserhöhung genau beäugt. Bislang war es so, dass der dem Gold nachgesagte Makel des fehlenden Zinsertrages zumindest keinen Nachteil gegenüber den Bankguthaben darstellte. Die schwachen Goldkurse der letzten zwei, drei Jahre waren jedoch auch das Ergebnis einer extremen Kursniveauhebung am Aktienmarkt, welche stark auf die QE-Programme der Fed angetrieben wurde. Kann man denn nun überhaupt auf irgendeiner Basis nachvollziehbare Prognosen anstellen und wenn ja, auf welchen? Nach wie vor ist zwar nicht auszuschließen, dass die Stunde des Goldes noch schlägt, wenn das Weltfinanzsystem von der Überschuldungskrise erschüttert wird, doch wie wäre eine Erhöhung des US-Leitzinses zu bewerten? Zinserhöhungen müssen keineswegs zwangsläufig negativ für die Goldinvestitionsnachfrage sein, da diese durchaus die Kurse am allgemeinen Aktienmarkt spürbar einbrechen lassen können, was wiederum die Attraktivität des gelben Metalls steigern ließe.

Ein historischer Vergleich: Im Gold-Superbullenmarkt der 1970er, in dem Gold um das 24-fach stieg, erhöhte die Fed den Leitzins von 3,5% auf heute kaum vorstellbare 14,0%. Ebenso zuletzt von Juni 2004 bis August 2007, als der US-Leitzins von 1% auf 5,25% angehoben wurde, haussierte Gold zeitgleich von 395 US-Dollar auf 715 US-Dollar. Insofern verwundert es nicht, dass trotz des sich verdichtenden Kokettierens diverser Fed-Verantwortlicher über Zinserhöhungen dies offensichtlich nicht als Verkaufssignal gesehen wird. Im Gegenteil werten nicht wenige Goldexperten es als ein bullisches Signal, sollten sich die Anleger von der Zinserhöhungsdebatte unbeeindruckt zeigen. Vielleicht ist es auch ebendiese Sichtweise, die Blackrock bewog, seine Anteile an dem börsengehandelten Goldfonds SPDR Gold massiv aufzustocken, wie dies aus Daten des auf Pflichtmeldungen an die US-Börsenaufsicht SEC gespeisten Börsenbetreibers Nasdaq ersichtlich ist. Demzufolge erwarb Blackrock über alle Unternehmensbereiche hinweg in den ersten drei Monaten des Jahres mehr als zwölf Millionen Anteile des Goldfonds im Wert von fast 1,5 Mrd. US-Dollar, womit der Vermögensverwalter nun Anteile im Wert von knapp 1,9 Mrd. US-Dollar für seine Kunden verwaltet. Während der Hedgefonds von John Paulson sein Engagement in dem Gold-Vehikel um 17 % abbaute, kauften JP Morgan Chase rund 2,7 Millionen Anteile, Goldman Sachs zwei Millionen, BNP Paribas 1,8 Millionen sowie die UBS und Wells Fargo jeweils 1,7 und 1,4 Millionen Anteile hinzu.

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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