Unglaubwürdiger Distanzierungsversuch

| 19. Juni 2017 | Kommentieren

Anti-Terror-Demonstration

Thomas de Maizière, Foto: Martin Rulsch

Thomas de Maizière, Foto: Martin Rulsch

Berlin/Köln – Wenn organisierte Muslime sich vom islamistischen Terrorismus öffentlichkeitswirksam distanzieren, dann stellt sich immer die Frage, wie ernst solche Bekundungen gemeint sind. Nach zahlreichen islamistischen Terroranschlägen in Europa sollte am Sonnabend in Köln nun eine Massendemonstration mit rund 10.000 Muslimen in Köln stattfinden, mit der diese sich von Islamismus und Terrorismus distanzieren wollten. Doch nur wenige hundert – darunter viele Nicht-Muslime – Personen folgten dem Aufruf der Veranstalter.

Im Vorfeld sorgte bereits die Absage der Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) für Aufsehen, da davon auszugehen ist, dass der Großteil der organisierten Muslime kein Interesse an einer deutlichen Distanzierung hat. Ditib hatte seine Nichtteilnahme damit begründet, dass eine solche Demonstration das Problem des internationalen Terrorismus auf Muslime verengen würde. Beispiele für Terroranschläge anderer Religionsgruppen in Deutschland und Europa blieb die türkische Dachorganisation allerdings schuldig.

Regierungssprecher Steffen Seibert brachte in diesem Zusammenhang zum Ausdruck, dass die Bundesregierung von der Absage enttäuscht sei. Seibert dazu wörtlich: „Dass Ditib an dieser Kundgebung am morgigen Samstag nicht teilnehmen will, ist einfach schade.“ Seibert erwähnte allerdings nicht, dass es die Bundesregierung war, die über Jahre hinweg auf die Schaffung einer echten und verbindlichen Leitkultur verzichtet hat, die als Bringschuld für Zuwanderer gilt.

Auch liberale Islamwissenschaftler kritisierten die Absage von Ditib. Denjenigen, die sich dem Aufruf verweigern, gehe es nur um Profilierung und Machtinteressen. So sagte der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide: „Das Gute anzustreben, weil es gut ist, nicht opportunistisch im Sinne: ‚Nur wenn ich was davon habe, dann ist eine Sache gut.'“

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, sagte, dass sich Ditib durch die Absage weiter ins Abseits stelle und nun riskiere, sämtliche Glaubwürdigkeit zu verspielen. Doch auch Özoguz hat sich bisher nicht sehr glaubwürdig von ihren Brüdern distanziert, die im islamistischen Spektrum aktiv sein sollen und das Internetportal „Muslimmarkt“ betreiben. Auch forderte sie erst kürzlich, bei der Verfolgung von Islamisten mehr Augenmaß walten zu lassen.

Klare Kante gegenüber Islamisten sieht anders aus.

Torsten Müller

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Kategorie: Allgemein, Politik

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