UNICEF-Studie zeigt erschreckende Zunahme der Kinderarmut in Industrieländern

| 29. Oktober 2014 | Kommentieren

pm-logo-unicef-dataDie Finanz- und Wirtschaftskrise trifft vor allem die Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen.

So leben 76,5 Millionen Kinder in den 41 Mitgliedsstaaten der EU und der OECD und somit in 41 eigentlich „reichen“ Ländern in Armut. Die Zahl stieg im Vergleich zu 2008 um 2,6 Millionen an. Unicef spricht in dem Zusammenhang von einer „großen Rezession“. Vor allem durch die Finanzkrise stieg die Zahl von armen Kindern an: allein in 23 Ländern ist eine deutliche Zunahme zu vermelden. Trauriger Spitzenreiter der Statistik ist Island. Während vor der Krise elf Prozent der Kinder als Arm galten, sind es nun über 31 Prozent. Der höchste Anteil lebt in Griechenland, deren Familien in der Krise in Bezug auf das mittlere Haushaltseinkommen um etwa vierzehn Jahre zurückgeworfen worden seien. Danach folgen Lettland, Kroatien und Spanien, die ebenso wie Irland und Luxemburg etwa zehn Jahre verloren hätten. Mehr als jedes dritte Kind, teils sogar jedes zweite, ist in diesen Ländern arm; die Familie des Kindes hat also weniger als drei Fünftel des mittleren Einkommens im jeweiligen Staat zum Leben zur Verfügung. „Viele Industrieländer haben bei den Haushaltseinkommen einen großen Sprung zurück gemacht. Das hat Einfluss auf die Kinder und langfristige Auswirkungen für sie und die Gesellschaften“, erklärte Unicef-Experte Jeffrey O’Malley. Ein weiteres Problem sei die Ungleichheit: „Während der Krise sind Arme noch ärmer geworden“, erläuterte O’Malley. Das treffe vor allem die Kinder. Besonders hart trifft es die Gruppe der 15- bis 24-Jährigen: In mehr als drei Viertel der Staaten nahm die Arbeitslosenquote in dieser Altersklasse besorgniserregend zu. Goran Holmqvist vom Unicef-Forschungsinstitut Innocenti in Florenz erklärt: „Die junge Generation ist eine der Gruppen, die den höchsten Preis bezahlt hat.“ Etwa eine Million mehr als 2008 und somit 7,5 Millionen junge Menschen waren allein in der EU vergangenes Jahr ohne Arbeit, Ausbildung oder Praktikum.

Während die Situation in einigen Ländern an Brisanz immer mehr zunimmt, konnten achtzehn Länder die Kinderarmut im Vergleich zu 2008 senken. Vor allem Australien und Chile zeigten laut Unicef ein vorbildliches Verhalten: sie erhöhten in der Krise bewusst ihre Familienzuwendungen – entgegen dem Trend des Sparens; und bewahrten ihre Familien so trotz steigender Arbeitslosigkeit vor dem Fall ins Bodenlose. „Die Bekämpfung von Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit muss höchste Priorität haben. Das ist nicht nur moralisch geboten: das langfristige Wohlergehen unserer Gesellschaft hängt von den Kindern und Jugendlichen ab“, mahnt Unicef und fordert die Länder zum Handeln auf. Vor allem in soziale Sicherungssysteme müsse investiert werden. „Wirtschaftswachstum und wirtschaftliche Stabilität allein genügen nicht, um Kinder zu schützen“, so Unicef-Experte O’Malley. „Wohlhabende Länder sollten mit gutem Beispiel vorangehen und das Wohlergehen von Kindern zu einer der obersten Prioritäten machen.“

Deutschland belegt in der Studie den 14. Platz. Laut Ergebnis sei die Kinderarmut hierzulande leicht zurück gegangen auf derzeit fünfzehn Prozent. Damit leben in Deutschland rund zwei Millionen Kinder in Armut.
Auch Belgien konnte seine Quote um 0,8 Prozent auf 16,4 Prozent senken. Neben Australien, Chile, Finnland, Norwegen und Polen konnte auch die Slowakei eine Senkung der Kinderarmut vermelden.

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Kategorie: Allgemein, Gesellschaft

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