Trennt sich die CSU von der CDU?

| 10. Mai 2016 | Kommentieren
Foto: Tobias Koch - OTRS

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Union in Umfrage auf Vier-Jahres-Tief

Von Hans Driesch

Berlin – Sehen die beiden Unionsparteien die 30-Prozent-Marke bald von unten? Der jüngste Emnid-Sonntagstrend, der im Auftrag der „Bild am Sonntag“ erstellt wurde, legt dies zumindest nahe. Die einzige Partei, die in dieser Umfrage zulegen kann, ist die AfD, die von 13 auf 14 Prozent klettert. Die SPD, die Grünen, die FDP und die LINKE verharren auf ihren Werten der Vorwoche bei 22 Prozent, 12 Prozent, 6 Prozent und 9 Prozent, für die Sonstigen werden 5 Prozent gemessen. Die einzige Partei, die im Vergleich zur Vorwoche verliert, ist die CDU/CSU, die von 33 Prozent auf 32 Prozent sinkt. Damit wird für die Unionsparteien der niedrigste Wert seit dem Juni 2012 gemessen.

Auch die Forderung nach einer bundesweiten Ausdehnung der CSU erhält immer mehr Zustimmung. Eine repräsentative Befragung des Instituts infratest dimap für die ARD-Reportage-Reihe „#Beckmann“ ergab in dieser Frage eine Zustimmung von 45 Prozent, während 40 Prozent dies „nicht gut“ fänden. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hatte unlängst berichtet, dass der CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer auf einer Sitzung der CSU-Strategiekommission laut darüber nachgedacht habe, einen von der Schwesterpartei CDU getrennten Wahlkampf zu führen und selbst als Spitzenkandidat der bayrischen Landesliste zu kandidieren, falls die Differenzen der CSU zur CDU auf dem Feld der Ausländer- und Asylpolitik weiterhin so hoch blieben wie seither.

Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) hat Spekulationen über eine Trennung der Fraktionen von CDU und CSU jetzt neue Nahrung gegeben, als er in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ äußerte, dass die beiden Schwesterparteien heute inhaltlich weiter voneinander entfernt seien als 1976, als es schon einmal zu einem vorübergehenden Bruch der Fraktionsgemeinschaften kam. Am 19. November 1976 hatte die CSU-Landesgruppe im Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth den Beschluss gefasst, die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU nicht fortzuführen, und sich bundesweit auszudehnen. Schon am 12. Dezember 1976 wurde dieser Trennungsbeschluss aber wieder zurückgenommen, womit sich Franz-Josef Strauß die Kanzlerkandidatur des Jahres 1980 sicherte. Dem Trennungsbeschluss war ein heftiger Machtkampf zwischen den beiden Parteivorsitzenden Franz Josef Strauß (CSU) und Helmut Kohl (CDU) vorausgegangen.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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