Unpolitische Propaganda beim ESC

| 18. Mai 2016 | Kommentieren
Jamala (2016), Foto: Albin Olsson

Jamala (2016), Foto: Albin Olsson

Ein Kommentar zum diesjährigen Sängerwettstreit

Von Andre Hohmann

Am vergangenen Pfingstwochenende zog es wieder mal mehrere Millionen Europäer, und solche, die es gerne wären, vor die Flimmerkiste, um beim Gesangswettbewerb „Eurovision Song Contest“ (kurz: ESC) dabei zu sein und den Telefonnetzbetreibern Umsätze zu bescheren.

Nun wäre an sich ein solcher Wettbewerb, bei dem sich Künstler aus ganz Europa messen, eine tolle Sache. Bei genauem Hinsehen verliert sich jedoch jeglicher Sinn dieser Veranstaltung. Eine vermeintliche Mischung aus Jury und Zuschauerwahlen soll demnach jedes Jahr die besten Künstler Europas ermitteln.

Zuerst einmal, wenn man überhaupt dem Einfluß der Zuschauer Glauben schenken kann, liegt es in der Natur der Sache, daß die Menschen nur zu einem kleinen Teil objektiv entscheiden, wer nun am besten singt. Die Herkunft scheint dabei ebenso ein großer Einflußfaktor zu sein. So wird z.B. ein Aserbaidschani wohl eher die Stimme für die Türkei als für Griechenland abgeben und ein Armenier eher für Griechenland stimmen. Nicht zu unterschätzen ist auch der Einfluß der Migration. Daher dürften beispielsweise die Stimmen aus Deutschland für die Türkei auch nicht verwundern.

Entscheidender dürfte jedoch der politische Hintergrund des ESC sein. Es heißt zwar von offizieller Seite, daß politische Botschaften unerwünscht sind, aber seit Jahrzehnten kann man beobachten, daß die Konsequenz in dieser Hinsicht sehr zu wünschen übrig läßt. Wurde vor zwei Jahren z.B. dem Gender-Zeitgeist entsprechend ein künstlich umgewandeltes Wesen zum Sieger gekürt, so wird es nun diesmal besonders brisant.

Bereits im Vorfeld wurde die kirgisische Krimtatarin Jamala, die für die Ukraine antrat, hofiert und, wie es eigentlich schon zu erwarten war, auch zur Siegerin des diesjährigen ESC erklärt. Nun, abgesehen davon, daß ihr Lied „1944“ alles andere als unpolitisch ist, geht es um die Verbrechen Stalins, die ohne Zweifel auch auf tragische Weise ihre Familie betrafen. Betrachtet man dies nun im aktuellen Kontext, bei dem keine Gelegenheit zur antirussischen Hetze ausgelassen wird, so ist ihr musikalischer Beitrag schon mehr als diplomatisch ungeschickt in Zeit und Ort platziert. Sowohl dem Poroschenko-Regime in Kiew, wie auch den EU-Eliten scheint dies doch sehr gelegen zu sein.

Wie schon im vergangenen Jahr hält die Bundesrepublik Deutschland nun zum zweiten mal die rote Laterne am Ende. Um da aus dem Keller zu kommen, sollten einige Staatssekretäre im Auftrag von Herrn Gauck wohl etwas ändern. Vielleicht sollten die Künstler nicht Ann-Sophie Dürmeyer oder Jamie-Lee Kriewitz heißen, um höhere Platzierungen zu erzielen. Mit einem Diplom-Ingenieur aus Syrien, der nach Deutschland geflohen ist (natürlich vor Assad, dennoch mit Abschluß auf der Universität Damaskus) sind aus Frankreich und anderen Ländern zweistellige Punktzahlen sicher.

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Kategorie: Allgemein, Kultur

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