Verdi-Chef Frank Bsirske warnt vor Altersarmut

| 19. April 2017 | 1 Kommentar

Steigende Rentenbeiträge?

Frank Bsirske, Foto: Tobias M. Eckrich

Frank Bsirske, Foto: Tobias M. Eckrich

Berlin – Bereits der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hatte deutlich gemacht, dass die Altersarmut in Deutschland deutlich voranschreitet. Die Zahl der Rentner, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, ist auf über eine Million gestiegen. Sie hat sich somit seit der Einführung der Grundsicherung im Jahr 2003 mehr als verdoppelt.

Doch die Altersarmut wird in den nächsten Jahren wohl noch dramatischere Ausmaße annehmen. Davor warnte jetzt auch der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske. Es sei nötig, in den kommenden Jahren große Anstrengungen zu unternehmen, um das aktuelle Rentenniveau stabil zu halten. Bsirske dazu wörtlich: „Das Rentenniveau zu sichern und dafür zu sorgen, dass Menschen nach jahrzehntelanger Arbeit über die Runden kommen, ist eine erstrangige gesellschaftliche Aufgabe.“

Dass in Zukunft noch mehr Menschen in Altersarmut abstürzen werden, sei nach geltender Rechtslage eine ausgemachte Sache: „Hätten wir heute schon das Rentenniveau, das von den politischen Mehrheiten bis 2030 billigend in Kauf genommen wird, dann hätte jemand, der sein Arbeitsleben lang 2500 Euro verdient hat, nach 40 Beitragsjahren einen Rentenanspruch von 809 Euro.“

Die Entwicklung gehe somit auch mit einem massiven Vertrauensverlust einher: „Immer mehr Rentner sind also auf Grundsicherung angewiesen. Das delegitimiert das soziale Sicherungssystem Rente grundlegend.“ Bsirske sprach sich nun auch für die Einführung einer Mindestrente aus. Auch sei eine Stabilisierung des Verhältnisses des Durchschnittslohns zur Rente erforderlich. Bsirske dazu weiter: „Dazu brauchen wir aber ergänzende Maßnahmen, um die gesetzliche Rente armutsfest zu machen.“

Auf der anderen Seite müsse sich die Gesellschaft dem Gewerkschaftsvorsitzenden zufolge auf Beitragserhöhungen einstellen: „Darüber hinaus werden wir über eine Anhebung des Beitragssatzes nicht umhinkommen.“

Millionenfache Altersarmut dürfte wohl erst in einigen Jahren vorherrschen, die Finanzierbarkeit des Rentensystems jedoch ist schon jetzt nicht mehr gesichert. So müssen alljährlich fast 90 Milliarden Euro an Steuermitteln in das Rentensystem gepumpt werden, damit die laufenden Rentenzahlungen überhaupt gewährleistet werden können.

Von Torsten Müller

Stichworte: , , , , , , , ,

Kategorie: Allgemein, Politik

Kommentar schreiben