Verfällt Apple dem Fluch der IT-Giganten?

| 29. April 2016 | Kommentieren
Apple-Hauptsitz in Cupertino, Foto: Joe Ravi

Apple-Hauptsitz in Cupertino, Foto: Joe Ravi

Apple

Von Hans Driesch

Cupertino – Im Gegensatz zu früheren Jahren ist die Verkündung der Quartalszahlen von Apple längst kein Fest für Börsianer mehr, vielmehr hat die Talfahrt des iPhone-Produzenten seit dem Allzeithoch im April 2015 bei 134,54 Dollar geradezu dramatische Ausmaße angenommen. Der Aktienkurs liegt mittlerweile bei unter 100 Dollar, was im Vergleich zum Hoch umgerechnet der Vernichtung eines Marktwerts von zirka einer Viertelbillion Dollar entspricht – mehr, als die zweite Hälfte der DAX-Unternehmen insgesamt überhaupt wert ist. Die Verkündung der letzten Quartalszahlen am vergangenen Dienstag geriet für den glücklosen Tim Cook als Nachfolger von Steve Jobs im Amt des CEO einmal mehr zum Desaster und bestärkte bei den Anlegern den Verdacht, dass „Peak iPhone“ nun tatsächlich erreicht sein könnte. Zum ersten Mal seit dem Jahr 2003 ist der Umsatz des IT-Giganten aus dem kalifornischen Cupertino gefallen, dramatischerweise über alle Geschäftsfelder hinweg, so gab es 16 Prozent weniger Verkäufe bei den iPhones, 19 Prozent bei den iPads und 12 Prozent weniger bei den iMacs, also den von Apple produzierten Computern.

Die Aktie wurde von den Anlegern entsprechend abgestraft, am Dienstag ging es nachbörslich um mehr als 6 Prozent nach unten, was der Wertvernichtung von schlappen 36 Milliarden Dollar entspricht. Darin kommt nicht nur eine Enttäuschung über die Quartalszahlen, sondern es zeigen sich auch grundsätzliche Zweifel am Wachstumspotential des Unternehmens. Der fast beispiellose Aufstieg von Apple begann im Jahr 2001 mit der Entwicklung des iPod, eines tragbaren MP3-Players, der damals genau den Zeitgeist traf, kombiniert mit der Verknüpfung zur kostenlosen eigenen Software iTunes, mit der multimediale Inhalte auf dem iPod abgespielt werden konnten. So demonstrierte Apple auch eine technologische Marktführerschaft. Dieses ins Positive gewendete Image Apples führte spätestens ab dem Jahr 2007 mit der Markteinführung des Smartphones iPhone zu einem regelrechten Hype um das Unternehmen.

Absurderweise bekommt die Wachstumsstory des Unternehmens Brüche, seit es im März vergangenen Jahres den Sprung in den amerikanischen Aktien-Olymp geschafft hat und in den altehrwürdigen Dow Jones Index aufgenommen wurde. Gerade seit diesem Zeitpunkt machen sich nun immer stärker Bedenken wegen zunehmender Sättigungstendenzen des weltweiten Smartphone-Marktes bemerkbar. Diese Entwicklung ist für die Giganten in der Technologie-Branche allerdings in gewisser Weise normal: Sowohl der Softwaregigant Microsoft als auch der Halbleiterhersteller Intel krönten ihre Unternehmensentwicklung im November 1999 mit ihrer Aufnahme in den Dow Jones, womit allerdings auch die Erstürmung neuer Kursgipfel beendet war: Das Allzeithoch von Microsoft von 59,56 Dollar datiert noch aus dem Dezember 1999, Intel erreichte sein Allzeithoch am 31. August 2000 bei 74,88 Dollar. Es scheint tatsächlich eine Art Gesetz zu sein, dass auch die einst angesagtesten Technologieunternehmen mit zunehmender Größe und wachsendem Alter eines Tages den Zenit ihres Wachstums erreichen und die Aufnahme in den Dow Jones Index ein guter Indikator ist, um diesen Wendepunkt zu erkennen.

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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