Vom Jäger zum Gejagten: Agentenlegende Werner Mauss und die „Panama Papers“

| 6. April 2016 | Kommentieren
Werner Mauss und die "Panama Papers"

Werner Mauss und die „Panama Papers“

Briefkastenfirmen

Von Hans Driesch

Panama-Stadt – Er galt als „deutscher James Bond“, der säckeweise mit falschen Papieren ausgestattet war, und der zu seinen besten Zeiten in den 1990er Jahren einen direkten Draht ins Bundeskanzleramt zum damaligen Staatsminister Bernd Schmidbauer unterhielt: Die Rede ist von Werner Mauss, der in einem Brief an den ehemaligen BND-Präsidenten Hansjörg Geiger erklärte: „Insgesamt konnten durch meine Einsätze nachweisbar mehr als 1600 Personen einer Festnahme zugeführt werden.“ Mauss wird mit einigen der spektakulärsten Kriminalfälle der bundesdeutschen Geschichte in Verbindung gebracht, so mit dem Wiederauffinden der Seveso-Giftmüllfässer in Nordfrankreich im Mai 1983, mit der Verhaftung des RAF-Terroristen Rolf Pohle im Juli 1976 in Griechenland, der Wiedergewinnung des Kölner Domschatzes nach dem spektakulären Diebstahl des Jahres 1975 und der Freilassung der beiden Hisbollah-Geiseln Rudolf Cordes und Alfred Schmid im Libanon im Jahr 1986.

Bis heute ungeklärt ist eine mögliche Verstrickung in die Barschel-Affäre: Mauss hatte in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 1987 ein Zimmer im Genfer Hotel „Beau Rivage“ angemietet, also in dem Haus, in dem der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel am 11. Oktober 1987 tot aufgefunden wurde. Mauss übernachtete in dieser Nacht dann allerdings im benachbarten Hotel „Le Richmont“, und der Journalist Stefan Aust fand heraus, dass Mauss am Sterbewochenende Barschels mit seiner Frau mehrfach mit seinem Privatjet zwischen Deutschland und der Schweiz hin- und herpendelte. Nun ist der große Fallensteller selbst in die Falle gegangen: Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, soll Werner Mauss unter dem Decknamen Claus Möllner mindestens zwölf Briefkastenfirmen über den Dienstleister Mossack Fonseca in Panama geführt haben. Die Kontakte zwischen Mauss und Mossack Fonseca sollen über einen deutschen Mittelsmann in Luxemburg, Volker B., einen früheren Spitzenmanager der ehemaligen Dresdner Bank gelaufen sein.

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt weiter: „Das Konstrukt ist verschachtelt, alle Firmen werden oder wurden von unterschiedlichen Direktoren geleitet, viele über Jahre von anonymen Inhaberaktien gehalten; andere Anteile gehörten einer Liechtensteiner Stiftung namens Micuwe, die von dort ansässigen Treuhändern verwaltet wird.“ Hat Mauss das Firmengeflecht genutzt, um Provisionen zu kassieren oder gar Lösegelder zu bewegen? Sicher ist nur, dass Werner Mauss nun strafrechtliche Konsequenzen drohen: Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt angeblich schon gegen den Geheimagenten.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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