Vorlesestudie 2014: Vorlesen stärkt die Familie

| 29. Oktober 2014 | Kommentieren

BücherDie Stiftung Lesen aus Berlin engagiert sich seit Jahren für das Vorlesen. Doch noch immer kennt fast jedes dritte Kind in Deutschland nicht die Situation, wenn Mutter oder Vater vorliest.

Der Studie zufolge stieg die Zahl der Eltern, die Ihrem Kindern nur sehr selten oder gar nicht vorlesen, nur sehr gering an. Er bleibt mit 31 Prozent und somit fast einem Drittel trotz vieler Kampagnen hoch. Dabei sind die positiven Effekte lange bekannt. „Wenn in Familien vorgelesen wird, stößt das über die Geschichten hinaus oft Gespräche an“, erklärt Studienleiterin Simone Ehmig. Hauptsächlich handele es sich dabei um Gespräche über alltägliche Themen, die das Kind beschäftigen, wie 32 Prozent der Eltern angaben. Doch vor allem auch die Zuwendung und die dabei entstehende vertrauensvolle Stimmung wirke sich positiv auf die Kinder aus. Lädt sie doch dazu ein, über schwerwiegende Probleme zu reden. So fördere das Vorlesen neben der Sprachkompetenz und dem Wortschatz, nebenbei auch die sozialen Bindungen in der Familie; so das zentrale Ergebnis der diesjährigen Vorlesestudie. Doch vor allem in bildungsfernen Familien und bei Vätern sei der Anteil an Nichtvorlesern noch immer überproportional hoch, so Ehmig. „Sie verzichten damit auf einen zentralen Impuls, der die Familien über die Bindung zwischen Eltern und Kinder stärkt“, so die Studie.

In mehr als 69 Prozent der Familien jedoch hat das Vorlesen seinen festen Platz. So gaben fast siebzig Prozent der Befragten an, sie binden das Vorlesen gern und gezielt in ihren Alltag ein. Sieben Prozent darunter mehrfach am Tag, einundzwanzig Prozent mindestens einmal pro Tag. 41 Prozent lesen zumindest mehrmals pro Woche mit ihren Kindern. Am häufigsten wird das Vorlesen vor dem Zubettgehen zelebriert. Von den befragten Kindern gaben siebzig Prozent an, sich das Vorlesen zu wünschen. Nicht nur das Interesse an den Geschichten, sondern vor allem der Wunsch nach Zeit, Nähe und der ungeteilten Aufmerksamkeit der Eltern verbinden sie der Studie zufolge damit. Und auch zwei Drittel der Eltern genießen die Vorlesezeit mit ihren Kleinen. Dabei sind sich viele Eltern des Mehrwerts, den das Vorlesen für die familiäre Kommunikation hat, bewusst. 41 Prozent gaben an, Bücher und Geschichten gezielt zu nutzen, um ihren Kindern beim Verarbeiten schwieriger Situationen zu helfen.

Dabei spiele das Vorlesemedium keine Rolle, so die Forscher. Neben dem klassischen Buch, darf es also auch gern das Tablet oder gar der Computer sein. Den Angaben zufolge schätzen vor allem Väter die Verwendung von neuer Technik. Migranten sollten ihren Kindern in der Sprache vorlesen, wo sie sich am wohlsten fühlen, so die Wissenschaftler.

Insgesamt wurden für die Vorlesestudie 2014 250 Mütter und 250 Väter, die mindestens ein Kind im Vorlesealter zwischen zwei und acht Jahren haben, befragt. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Deutsche Bahn Stiftung.

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Kategorie: Allgemein, Gesellschaft

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