Wertediskussion in der AFD

| 27. Mai 2016 | Kommentieren

Pro und Contra transatlantische Bindung

von Karl Buckatz

Es muß gewichtige Gründe geben, wenn ein Landtagsabgeordneter der Alternative für Deutschland (AfD) sich öffentlich mit einem Rentner aus dem bayerischen Schwangau auseinandersetzt, auch wenn der Mitglied derselben Partei ist.

Wie kam es dazu?

AfD-Plakat

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Der siebzigjährige Burkhardt Brinkmann hatte einen Aufsatz unter dem Titel „Guderian statt Maginot: wieder den Schrebergartenpatriotismus der Tillschneider-Gruppe!“ verfasst. Anlass dazu waren die Thesen, die Hans-Thomas Tillschneider(38) unter der Überschrift „Prinzipien alternativer Islampolitik“ im Januar dieses Jahres veröffentlicht hatte. Insbesondere ein Punkt schien Brinkmann besonders zu stören: unter „Der Islam hat eine Heimat!“ billigte Tillschneider der orientalischen Religion „wie jeder andere Weltkultur auch das Recht auf eine freie, selbstbestimmte Entwicklung nach eigenen Gesetzen“ zu. Zugleich lehnte er eine „Verwestlichung des Islams“ ab.

Brinkmann hält diesen Standpunkt für gefährlich. Er vertritt die Ansicht, dass die führende Rolle der westlichen Zivilisation das Ergebnis eines „lebensfundamentalen Wachstums- und Fortschrittsprinzips im Zuge der Evolution“ sei. Die Vormacht dieser Zivilisation seien die USA und damit auch zugleich „Vormacht der ganzen Welt“, deren Weltorganisation die Vereinten Nationen seien.

In der Auseinandersetzung mit dem Islam ist es laut Brinkmann notwendig, dass die USA ihre „imperialen Interessen“, verbunden mit einer „kulturmissionarischen Haltung“ als Zeichen ihrer „noch intakten Vitalität“ unverändert fortsetzen. Diese – von unterschiedlichsten politischen Lagern seit Jahrzehnten heftig kritisierte Strategie – sei die einzige Möglichkeit, im „mehr oder weniger heißen Kulturenkonflikt“ mit dem Islam (der eine zivilisatorisch rückständige, zugleich aber vitale Kultur darstellt) die Oberhand zu behalten. Der „Tillschneider-Truppe“ unterstellt Brinkmann die Perspektive einer „Schrebergartenwelt“, die zum Untergang verurteilt sei.

Das konnte Hans-Thomas Tillschneider, inzwischen Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt, nicht auf sich sitzen lassen. In einer Replik auf Burkert Brinkmanns Streitschrift unter der Parole „Weder Islamisierung noch Amerikanisierung“ wettert er gegen den „signifikanten Unsinn“ seines Parteikollegen und Kontrahenten.

Leider ergeht sich Tillschneider in seiner auf einer „Patriotischen Plattform“ veröffentlichten Schrift zunächst in persönlichen Angriffen der Art „Der hat ja mal…“, doch dann kommt er zur Sache. Brinkmanns Würdigung der imperialen US-Politik ist für ihn eine „Kapitulation vor der Globalisierung“, die sich „nicht wesentlich von der herrschenden Ideologie“ unterscheidet:

„Der Hauptfeind In unserer momentanen Lage ist der Globalismus und Kulturuniversalismus, der unsere gesamte Welt einer öden Einheitskultur nach dem Bilde der USA unterwerfen will und dafür auch vor Kriegen nicht zurückschreckt.“ Und weiter: „Wir bräuchten einen sanktionsbewehrten Rahmen des internationalen Rechts, der sich aber anders als heute üblich streng darauf beschränkt, das Außenverhältnis der Staaten zu regeln, ohne sich in ihre inneren Angelegenheiten einzumischen.“

Der Replik folgte umgehend eine erneute Reaktion Brinkmanns, in der er die Kritik zurückweist und sich als „Kulturkreispatriot“ definiert. Auch in den sozialen Netzwerken ist eine heftige Debatte darüber entbrannt, wohin der Weg der AfD gehen soll. Die weitere Bindung Deutschlands an die USA würde fortsetzen, was in den vergangenen Jahrzehnten die Generallinie der deutschen Außenpolitik war. „Keine Experimente!“ war einst ein erfolgreicher Wahlkampfslogan der CDU. Ob er die Antwort auf die heute anstehenden Fragen ist, wird die Zukunft zeigen. Zweifel sind angebracht. Die Politiker der Alternative für Deutschland werden sich entscheiden müssen, ob sie das Erbe der Union antreten oder etwas wirklich Neues wollen.

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Kategorie: Allgemein, Politik

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