Wird der Brexit zu einem Intro in den Immobilienmarkt?

| 24. Juni 2016 | Kommentieren

Immobilienwirtschaft

brexitVon Rüdiger Dietrich

Berlin – Die Politik, die Wirtschaft und folglich auch die Immobilienwirtschaft blicken nach dem Brexit-Votum gespannter denn je auf die weitere Entwicklung. Vermutlich ist es zwar verfrüht, sich bereits festzulegen, jedoch Überlegungen anzustellen ist mit Sicherheit angebracht. Und nicht überall wird nur schwarz gemalt. Der Goldpreis stieg merklich an und auch Immobilien werden nicht grundlos häufig als sogenanntes Betongold bezeichnet. Was die Äußerungen sowohl kurz vor dem Wahlgang, als auch unmittelbar nach dem Votum in der Immobilienbranche anbelangte, kann zumindest nicht von einer Panikrhetorik die Rede sein. Der Studie „Brexit: Logic dictates“ des Immobilienberatungsunternehmens Colliers International zufolge hieße es, dass das britische Referendum zum EU-Ausstieg für langfristig orientierte Investoren wie Staatsfonds und Family Offices nicht mehr als ein sprichwörtlicher Sturm im Wasserglas sein könnte und überwiegend kurzfristige Anleger im Risiko wären. Und auch die Berliner Kanzlei Bottermann Khorrami LLP (BK Law) äußerte bereits im Vorfeld der Abstimmung, dass ein Brexit wenigstens für die deutsche Immobilienwirtschaft kein Schreckensszenario wäre.

Dr. Esfandiar Khorrami verwies unter anderem darauf: „Die britischen Investoren, die in der Vergangenheit deutsche Immobilien erwarben, werden dies meiner Meinung nach auch künftig in vergleichbarem Umfang tun. Das Fremdwährungsthema bleibt schließlich unverändert und war auch bislang kein Hindernis für Investoren von jenseits des Ärmelkanals.“ Oder auch der jährliche „Global Investor Outlook“ von Colliers macht deutlich, dass – auch in Zeiten der europäischen Schuldenkrise – Immobilien-Fundamentaldaten und die Verfügbarkeit von Finanzierungen für Investoren in ihrer Kalkulation stets wichtiger seien als Länderrisiken. Ulrich Höller, Vorsitzender des Vorstands der GEG German Estate Group mit Sitz in Frankfurt a. M. sieht für global tätige Unternehmen, die bislang einzig London als Europazentrale aufwiesen, eine Verlagerung in andere europäische Städte und gerade nach Frankfurt als Standort der EZB zunehmend interessant werden, um Nachteile etwa in regulatorischer oder steuerlicher Hinsicht zu vermeiden, die ein Sitz außerhalb der EU mit sich bringen könnte.

„Unserer Einschätzung nach werden deutsche Wohnimmobilien dabei als sicherer Hafen noch weiter an Bedeutung gewinnen. Wir rechnen insbesondere mit einer noch höheren Nachfrage institutioneller Investoren und vermögender Privatinvestoren nach Wohnimmobilien-Portfolios mit hohem Wertsteigerungspotenzial in B-Städten und ausgewählten Mikro-Lagen großer Metropolen in Deutschland”, ließ sich Frank Wojtalewicz, Geschäftsführender Gesellschafter d.i.i. Deutsche Invest Immobilien GmbH, zum Brexit-Votum zitieren. Jedoch würden durch ein strukturell schwächeres britisches Pfund britische Immobilien für ausländische Investoren erschwinglicher, zumal im Falle einer hohen Volatilität auf den Aktienmärkten womöglich Immobilien zudem attraktivere Renditen als andere Assetklassen bieten könnten. Der bekannte Investment-Profi Marc Faber bezichtigte bereits vor dem Votum in einem CNBC-Interview die Europäische Union (EU) eine zutiefst undemokratische, schlecht geführte Institution ohne funktionierende Kontrollmechanismen zu sein, und prognostizierte Großbritannien ohne die Europäische Union bessere Wachstumschancen. Als Beispiele für kleinere Staaten mit guten Wachstumsraten nannte Faber die skandinavischen Länder, die Schweiz, Hongkong sowie Singapur, die deshalb stärker wüchsen, da sie auf sich alleine gestellt seien.

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Kategorie: Allgemein, Wirtschaft

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