Wird die EEG-Novelle zum Bremsklotz für die Assetklasse Erneuerbare Energien?

| 13. April 2016 | Kommentieren
Geschäftsführer reconcept Gruppe, Karsten Reetz, Foto: reconcept.de

Geschäftsführer reconcept Gruppe, Karsten Reetz, Foto: reconcept.de

Sachwerteanlagen

Von Rüdiger Dietrich

Berlin – Noch vor Immobilienbeteiligungen und Flugzeugfonds waren im ersten Quartal diesen Jahres Beteiligungen im Erneuerbare Energien-Sektor sozusagen der führende Kundenliebling bei den Sachwerteanlagen. Mehr als die Hälfte des Gesamtinvestitionsvolumens bezogen sich auf Angebote in diesem Bereich. Das durchschnittliche Beteiligungsvolumen je Anleger belief sich auf 24.600,- €. Scope Ratings, das von einer Wettbewerbsverschärfung unter den Asset Managern alternativer Investmentfonds (AIF) ausgeht, prognostizierte auch für 2016, dass Erneuerbare Energien und Immobilien die bevorzugten Assetklassen für alternative Investitionen bleiben würden. Da jedoch in Erwartung stabiler Cashflows und einer zunehmenden Nachfrage asiatischer und nordamerikanischer Investoren getriebene Preise eine Herausforderung für die Renditen neuer Fonds darstellen würden, müsse mit einer besondere Anforderungen an die Kompetenz des Asset Managers stellenden höheren Risikobereitschaft gerechnet werden. Zu dieser Gemengelage gesellte sich betreffend Beteiligungen im Erneuerbare Energien-Sektor der am 01. März vorgelegte Referentenentwurf zur EEG-Novelle, der Pläne zu einem Ausschreibungsverfahren konkretisiert, das die bisherige Praxis der gesetzlich garantierten Einspeisevergütungen ablösen soll.

Seitens der Asset Manager wird die geplante Novelle mit nicht geringer Skepsis beäugt. Keine andere Assetklasse kann gegenwärtig auf eine vergleichbare Bandbreite unterschiedlicher Investitionsvehikel verweisen, die alle unmittelbar von den gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Einspeisevergütung betroffen sind. Sich an der Energiewende beteiligende Anleger investieren in operativ tätige Gesellschaften, in Anleihen oder Publikums-AIF. Doch sind im letzten Jahr auch zahlreiche Emissionen erfolgt, die nicht den Regulierungsanforderungen des KAGB unterworfen sind. Dies könnte aufgrund der einfacheren und folglich kostengünstigeren Konzipierung künftig zunehmend erfolgen, wenngleich auch dadurch unter Umständen das Ziel, das mit dem KAGB verfolgt wurde, womöglich konterkariert würde. Die festen Fördersätze sollen ab 2017 größtenteils abgeschafft und durch wettbewerbliche Ausschreibungen ersetzt werden, wonach die Anlagenhersteller künftig mitteilen müssten, welche Förderung für einen wirtschaftlichen Betrieb nötig wäre. Der mit dem geringsten Förderbedarf erhielte den Zuschlag. Diese Überlegungen beziehen sich auf Windenergie on- und offshore sowie Solarenergie, nicht jedoch auf Biomasse und Wasserkraft.

Reconcept-Geschäftsführer Karsten Reetz kritisierte gegenüber Cash.online die Pläne als das Projektmanagement erschwerend und zu verstärkten Blind-Pool-Konzeptionen führend. “In einem Ausschreibungssystem entscheidet ein Bieter auf Grundlage der aktuellen Marktlage, mit welchen Forderungen er in eine Ausschreibungsrunde geht. Damit ist bis kurz vor der Abgabe eines Angebots unklar, mit welcher Vergütungshöhe man ins Rennen geht und welche Erlöse zu erwarten sind. Zudem stellt sich die grundsätzliche Frage, ob und wann ein Zuschlag erteilt wird. Ausschreibungen entziehen Investoren damit wichtige Planungsgrundlagen”, wird Reetz zitiert. – Das auf Erneuerbare Energien gerichtete Anlegerinteresse sollte das anstehende legislative Prozedere aufmerksam verfolgen!

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Kategorie: Allgemein, Finanzen

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