Zum 90. Todestag von Rainer Maria Rilke

| 29. Dezember 2016 | Kommentieren

Ein Dichter sowohl verehrt, als auch umstritten!

Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke

Von Reinhold Meier

Raron – Heute vor 90 Jahren, am 29. Dezember 1926, starb der 1875 geborene deutschsprachige Dichter Rainer Maria Rilke an einer erst kurz vor dessen Tod diagnostizierten Form der Leukämie im Sanatorium Valmont sur Territet bei Montraux. Seinem letzten Willen entsprechend wurde er nahe seinem Wohnort auf dem Schweizer Bergfriedhof Raron beigesetzt. Nicht zuletzt durch die enge Beziehung sowohl Nietzsches, als auch Rilkes mit Lou Andreas-Salomé hält Nietzsches Philosophie um die Jahrhundertwende zunehmend Einfluss in Rilkes Schaffen. Einen ersten Höhepunkt seines Frühwerks erreichte der Dichter mit „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ und „Das Stunden-Buch“, in denen ein pantheistisches Gottesbild gezeichnet wird. Bereits in seinen frühen Werken wendete Rilke sich systematisch einer Betrachtung der menschlichen Innenwelt zu und wurde mit den kunstvoll verschlungenen Reimbändern und fließenden Rhythmus seiner Gedichtzyklen maßgeblicher Gestalter des literarischen Jugendstils.

Aus den Werken der mittleren Phase zwischen 1902 und 1910 spricht eine das Subjekt zurückdrängende symbolische Spiegelung dieses Innen in den erlebten Dingen. In dieser Zeit entstehen die Werke „Blaue Horthensie“, „Der Panther“ oder der „Archaische Torso Apollos“, die den literarischen Symbolismus weiterentwickelten, indem die schmerzvollen und fremden Aspekte des Lebens einbezogen wurden. Im späten Werk zwischen 1912 und 1922 verleiht Rilke seiner Lebensbejahung in den Zyklen „Duineser Elegien“ und „Die Sonette an Orpheus“ poetische Gestalt und bezieht sich auf das ganze, Leben und Tod umgreifende Dasein. Die Gedichte seiner letzten Jahre zerfallen in einerseits heiter-entspannte, oft lakonisch-pointierte Natur- und Landschaftsgedichte, aber auch rein aus der Sprache herausgearbeitete poetisch kühner Experimente. Obgleich nach wie vor hochverehrt, war und ist Rainer Maria Rilke dennoch nie gänzlich unumstritten. Im Januar und Februar 1926 schrieb Rilke einer Gegnerin Mussolinis Briefe, in denen er die Herrschaft des Diktators Mussolini und dessen Faschismus lobte.

Rilke sah Italien als das einzige Land an, das zu dieser Zeit im Aufstieg begriffen sei, weshalb es gelte, gegebenenfalls auch über Ungerechtigkeiten hinweg zur Aktion zu schreiten. Mussolini war – so die Meinung Rilkes – zum Architekten des italienischen Willens geworden, zum Schmied eines neuen Bewusstseins, dessen Flamme sich an einem alten Feuer entzünde. Den Ideen der Freiheit, der Humanität und der Internationale erteilte der berühmte Dichter als ledigliche Abstraktionen, an denen Europa zusammenbrechen könne, eine deutliche Absage. Auf seinem Grabstein steht der von Rilke selbst verfasste und explizit für seinen Grabstein ausgewählte Spruch: Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern.

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Kategorie: Allgemein, Gesellschaft

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