Zwei Jahre nach dem Brand von Odessa

| 3. Mai 2016 | Kommentieren
Das Innere des Gewerkschaftshauses von Odessa nach dem Feuer, Foto: Wikipedia/Lsimon

Das Innere des Gewerkschaftshauses von Odessa nach dem Feuer, Foto: Wikipedia/Lsimon

Immer noch keine Aufklärung zu Odessa

Von Ruedi Strese

Odessa – In Odessa haben gestern Einwohner und Angehörige der Opfer der vor zwei Jahren stattgefundenen Ausschreitungen um das Gewerkschaftshaus gedacht. Bis heute hat kaum eine gerichtliche Aufarbeitung stattgefunden.

Mindestens 48 Menschen einschließlich einer schwangeren Frau waren am 2. Mai 2014 ums Leben gekommen. Die meisten waren im Gewerkschaftshaus lebendig verbrannt, es hatte nach russischer Darstellung zudem Folter und Erschießungen gegeben. Vorangegangen waren gewaltsame Ausschreitungen, an denen vermutlich beide Seiten beteiligt waren.

Nach der gängigen Lesart in der transatlantischen Presse war die Tragödie irgendwie „geschehen“ oder „ausgebrochen“, die russische Sicht spricht hingegen von einem Massaker. Etablierte Medien, die hierzulande den kleinsten Huster von Rechts sofort als Verbrechen brandmarken und zur Staatsaffäre aufblasen, blieben angesichts der offenkundigen Verstrickung ultranationalistischer Hooligans und militanter Gruppen in die Vorgänge erstaunlich teilnahmslos und versuchten, diese Verbrechen eher zu bagatellisieren.

Dabei gab es ernstzunehmende Hinweise darauf, daß das Geschehen keineswegs spontan und zufällig war, sondern zumindest bewußt in Kauf genommen, wenn nicht sogar von höchsten Kreisen geplant worden war. Der zuvor auf dem Maidan vollzogene gewaltsame Machtwechsel war eine Kooperation von zionistischen (Ihor Kolomojisky, Bernard-Henri Lévy), transatlantischen und ukrainisch-nationalistischen (Rechter Sektor, Swoboda) Kräften gewesen, welche sich zumindest in der antirussischen Stoßrichtung einig waren.

Das Voltaire-Netzwerk berief sich damals zudem auf eine Quelle, nach welcher die Operation „unter der direkten und persönlichen Autorität von dem Putschisten-Präsident Olexander Turtschinow und dem israelischen Oligarchen Ihor Kolomojisky“ geplant worden sei. Die extremistischen Fußballfans und Angehörigen nationalistischer Gruppen wären demzufolge nur ausführende Organ höherer Anweisungen gewesen.

Dies wäre eine nachvollziehbare Erklärung dafür, warum bis heute der ukrainische Staat sich keine ernsthafte Mühe gemacht hat, die Vorgänge aufzuklären. Bislang ist niemand vor dem Gericht für die Vorgänge zur Rechenschaft gezogen worden. Dies ist gerade auch dann verwunderlich, wenn die Vorgänge der Sicht Kiews folgend weitaus komplexer waren und kein einseitiges gewaltsames Vorgehen vorlag – oder sogar russische Einflußnahme dahinter steckte.

Im Vorfeld der Gedenkveranstaltung gab es laut russischer Presse Gewaltaktionen. Diese richteten sich anscheinend gegen Widersacher der ukrainischen Regierung. Die Sicherheitskräfte in Odessa seien erheblich aufgestockt worden und hätten die Anweisung erhalten, auf „Provokationen sofort zu reagieren“. Unter den 3000 zusätzlichen Sicherheitsleuten seien auch bis zu 300 Mitglieder des extremistischen Battalions Asow gewesen. Zudem wurde mehreren Journalisten, welche der offiziellen Position Kiews kritisch gegenüberstehen, die Einreise verweigert.

Auch zum zweiten Jahrestag des Massakers von Odessa hielt sich die deutschsprachige Presse wieder sehr zurück. Vornehmlich war es die russische Presse (namentlich Sputnik und Russia Today), welche sich überhaupt zu Berichten zum Thema angehalten sah.

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Kategorie: Allgemein, Außenpolitik

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