Sind Seehofers Tage gezählt?

| 13. Oktober 2017 | Kommentieren

Die CSU ohne Seehofer wird bereits vorbereitet

Ministerpräsident CSU-Vorsitzender Horst Seehofer, Freud/Wikipedia / CC BY-SA 3.0

Ministerpräsident CSU-Vorsitzender Horst Seehofer, Freud/Wikipedia / CC BY-SA 3.0

München – Über Jahre hinweg war er das Gesicht der CSU. Sowohl als bayerischer Ministerpräsident als auch als Vorsitzender der CSU war Horst Seehofer stets darauf bedacht, Macht und Einfluss nur abzugeben, wenn es von ihm so geplant und gewollt war. Einer Entmachtung durch seinen Rivalen, den bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU), wollte er stets entgehen, indem er den Zeitpunkt seines Abgangs selbst bestimmt. Nun könnte es viel schneller gehen als gedacht.

Weite Teile der CSU wünschen sich einen personellen Neuanfang an der Spitze der Partei. Nach seinem Hin und Her bei der Obergrenze zur Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern galt er intern bereits als angeschlagen. Doch das schwache Abschneiden der CSU bei der zurückliegenden Bundestagswahl könnte ihm nun den Rest gegeben haben.

Auch wenn seine Getreuen, allen voran CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, noch nichts von einem Wechsel wissen wollen, rumort es in der Partei gewaltig. So hat mit Alexander Hoffmann nun erstmals ein Bundestagsabgeordneter öffentlich dafür plädiert, dass es in der Führung der CSU einen Personalwechsel geben müsse. Hoffmann dazu wörtlich: „Wir wissen alle – und das sagen auch alle Mandatsträger und Funktionäre in der CSU: Ein „Weiter so“ geht nicht. Dieser Botschaft muss man auch ein neues Gesicht geben.“

Mit Blick auf Seehofer ergänzt er: „Er kann den Schaden, der durch das Wahlergebnis angerichtet wurde, nicht mehr gutmachen. Das hat er ja die ganze Zeit schon mit sehr viel Nachdruck versucht, aber das ist nicht bei allen Wählern goutiert worden.“ Auch für die anstehenden Koalitionsverhandlungen sei Seehofer nicht mehr zwingend erforderlich: „Wir haben viele andere starke Köpfe, auch in den ersten Reihen der Landesgruppe. Ich habe keine Sorge, dass wir ohne Seehofer keine kraftvollen Koalitionsverhandlungen führen können.“

Auch die Münchener CSU hat sich nun für einen „personellen Neuanfang“ an der Spitze von Partei und Staatsregierung ausgesprochen. So heißt es aus CSU-Kreisen der Landeshauptstadt: „Sonst verlieren wir nächstes Jahr mit der Landtagswahl in Bayern auch die dritte Wahl.“

Dass die CSU bei der Bundestagswahl rund zehn Prozentpunkte schlechter als bei der letzten Wahl abgeschnitten hat, liege vor allem an Seehofer und der Flüchtlingspolitik von der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Seehofer selbst sagte nun, dass er sich von Querschüssen einzelner Mitglieder und Verbände nicht treiben lassen wolle. In den nächsten Wochen solle über Inhalte, nicht über Personen gesprochen werden.

Dennoch besteht die Gefahr für Seehofer, dass nach den Koalitionsverhandlungen in Berlin seine Tage gezählt sein werden, vor allem auch, wenn es ihm nicht gelingt, möglichst viele CSU-Inhalte in einen möglichen Koalitionsvertrag zu packen.

Von Torsten Müller

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Kategorie: Allgemein, Politik

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